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"Kultur in Bewegung": 15 Führungen zum Tag des offenen Denkmals

Am Sonntag, 12. September, ist bundesweit der Tag des offenen Denkmals, für den die Stiftung Denkmalschutz das Motto "Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr" ausgegeben hat. Die Stadt Landshut hat unter der Federführung der städtischen Kulturbeauftragten Uta Spies und in Kooperation mit dem Bauzunfthaus Landshut e.V. und dem staatlichen Hochbauamt ein besonderes Angebot in und um Landshut erarbeitet. Viele Neugierige wird mit Sicherheit das Ländtor anlocken, das - sonst als Büro des Deutschen Alpenvereins genutzt - von 10 bis 17 Uhr seine Pforten öffnen wird.

Das alte Franziskanerkloster soll in Zukunft museal genutzt werden. Dr. Franz Niehoff, Leiter der Städtischen Museen, wird am Tag des offenen Denkmals durch das noch unwegsame Gelände führen.

 

Ausgewiesene Experten werden insgesamt 15 Führungen anbieten, etwa durch die Jugendherberge, zu alten Handels- und Transportwegen, zu Eisenbahnverbindungen oder zur internationalen Bau- und Gartenkultur im Hofgarten. So wird beispielweise der Leiter des städtischen Tiefbauamtes Baudirektor Gerhard Anger über die Geschichte der Bahnlinie Landshut–Neumarkt (St. Veit) und die des Bahnhofs Landshut Süd berichten sowie die derzeit laufende städtebauliche Entwicklung des Geländes aufzeigen. Gerhard Tausche und Dr. Mario Tamme vom Stadtarchiv sowie Baureferendarin Isabel Strehle haben eine neue Führungslinie zu wichtigen Handelsplätzen und -routen in Landshut erarbeitet, welche sie mit acht Schautafeln illustrieren, die über Alt- und Neustadt verteilt sein werden. Prof. Dr. Georg Spitzlberger widmet sich in zwei Exkursionen längst vergessenen Altstraßen und die Freiraumplanerin Uschi Engels-Pöllinger spürt internationalen Einflüssen und Vernetzungen im Hofgarten nach.
Alle Führungen sind kostenlos. Bei den Führungen durch die Jugendherberge (Ottonianum) mit Peter Weger und der Führung "Bewegung am Kulturstandort" durch das Alte Franziskanerkloster mit Dr. Franz Niehoff ist die Teilnehmerzahl beschränkt. Tickets zu diesen Führungen sind an der Tourismus-Information im Landshuter Rathaus erhältlich.

Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter http://www.landshut.de/tag-des-offenen-denkmals. Ein Programmfaltblatt ist ebenfalls online zu finden oder in der Tourismus-Information im Rathaus erhältlich.


Zum detaillierten Programm

Führung: Bahnhof Landshut Süd
Uhrzeit:
10 und 14 Uhr
Wer führt: Gerhard Anger, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Landshut
Treffpunkt: Bahnhof Landshut Süd, DB-Wartehäuschen
Dauer: 60 Minuten

Ausgehend von der Geschichte der Bahnlinie Landshut–Neumarkt (St. Veit) und der Geschichte des Bahnhofs Landshut Süd werden die einzelnen Gebäude und Gleisanlagen des alten Bahnhofes Achdorf und des neuen Haltepunktes Landshut Süd gezeigt. Erläutert wird zudem die derzeit laufende städtebauliche Entwicklung des Geländes am Südbahnhof; auch die Baustelle für die neue Erschließungsanlage wird besichtigt.
Die Bahnstrecke Landshut–Neumarkt (St. Veit) wurde, nach etwa dreijähriger Bauzeit, am 4. Oktober 1883 feierlich eröffnet. Sie ist gekennzeichnet durch ungünstige (steile) Neigungsverhältnisse und eine große Anzahl von Brückenbauwerken.
Der Bahnhof Achdorf ist ein für die bayerische Ostbahn typischer Bahnhof, der samt Toilettengebäude fast unverändert erhalten geblieben ist. Auch Teile der zur Güterabfertigung notwendigen Anlagen sind noch erkennbar. Die Bauarbeiten zur Erschließung des Geländes sind angelaufen und ermöglichen einen Eindruck von der geplanten Gestalt des sehr zentral gelegenen neuen Wohngebietes.

 


Führung "Ananas und Seidenraupen: Internationale Gartenkultur im Landshuter Hofgarten"
Uhrzeit:
10 und 14 Uhr
Wer führt: Dipl.-Ing. Univ. Uschi Engels-Pöllinger, Freiraumplanerin
Dauer: 90 Minuten
Treffpunkt: Hofgärtnerhaus im Hofgarten, Hofgarten 1
Hinweis: Die Führung ist barrierefrei.

Ausländische Gärtner, fremdländische Pflanzen und internationale Gartenstile haben über Jahrhunderte die Geschichte des Hofgartens geprägt. Bei der Führung vom Hofgärtnerhaus zum Herzoggarten und zurück werden anhand historischer Pläne die Spuren sichtbar gemacht, die vergangene Epochen der Landshuter Gartenkultur im heutigen Landschaftspark hinterlassen haben. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der welsche Pelzgärtner aus dem Hofgarten nach Graz und Mailand geschickt, um Propfreiser ausgefallener Obstsorten nach Landshut zu bringen. 200 Jahre später kultivierte man französische Tafelbirnen, experimentierte mit Ananaskultur und Maulbeerbäumen zur Seidenraupenzucht. Geländekanten und Wegeverlauf zeigen noch heute die Lage von Weinbergen und Plantagen. Alte Birn- und Nussbäume sind Relikte der bis ins 20. Jahrhundert reichenden Tradition des Obstbaus im Hofgarten. Der Herzoggarten ist eine der frühesten Anlagen, die Friedrich Ludwig von Sckell nach den Prinzipien des englischen Landschaftsgartens und mit fremdländischen Gehölzen gestaltete.
Im Bayerischen ist "pel(t)zen" der Ausdruck für propfen, daher wurde der Hofgarten früher auch "Pelzgarten" und der Gärtner "Pelzgärtner" genannt.

 


Führung: "Ottonianum. Von der herzoglichen Gießhütte zur Jugendherberge"
Uhrzeit:
11, 14 und 15 Uhr
Wer führt: Peter Weger, Jugendherbergsvater
Teilnehmerzahl pro Führung: maximal 20 Personen (Führungstickets sind an der Tourismus-Information im Landshuter Rathaus erhältlich)
Treffpunkt: Haupteingang der Jugendherberge Landshut, Richard-Schirrmann-Weg 6
Hinweis: Die Jugendherberge ist nur im Rahmen der Führung zu besichtigen.

1493 erste Erwähnung des heutigen Standpunktes des späteren "Ottonianum" (heute: Jugendherberge) als "Herzoglicher Gießgarten" (Gießhütte); 1601 bis 1802 in Privatbesitz, Nutzung als Wohnhaus; 1802 bis 1882 Nutzung als Cafe, Sommerkeller und Gastwirtschaft; 1839 Familie Bals, seit 1808 in Besitz des Anwesens, lässt das Haus von Joh. Bapt. Bernlochner im Biedermeierstiel umbauen, daher der Name "Balsschlösschen"; 1882 Erwerb des Geländes durch die Stadt Landshut und Nutzung als Internat für die königliche Realschule; circa 1900 wird das Gebäude durch den Einbau eines zusätzlichen Schlafsaales zur Hofseite hin verbreitert und erhält das Aussehen von heute. Es entstehen zwei Loggien, begrenzt von Säulen mit korinthischen Kapitälen; 1920 erhält es den Namen "Ottonianum" – nach Otto I. von Wittelsbach; 1937 Auflösung des Internats; 1937 bis 1945 Sitz der NSDAP Kreisleitung; nach 1945 kurzfristig Flüchtlingslager, Behelfsschulgebäude und dann Krankenhaus bis 1965; seit 1968 bis heute: Nutzung als Jugendherberge, Jugendgästehaus; 1979 beginnt die Stadt in mehreren Bauabschnitten mit der Sanierung und dem jugendgerechten Ausbau.

 


Führung: "Ländtor, Ländgasse... – Handel und Handelswege im historischen Landshut"
Uhrzeit:
10.30, 13, 16 Uhr
Wer führt: Gerhard Tausche, Isabel Strehle, Dr. Mario Tamme
Treffpunkt: Ländtor
Dauer: 60 Minuten
Spezial: Das Ländtor ist am 12. September von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Bei der Führung wird die Geschichte des Handels und der Handelsbeziehungen im historischen Landshut anschaulich dargestellt. Der Rundgang beginnt am Ländtor, das nach dem Anlandeplatz der Flöße aus dem bayerischen Oberland benannt ist und welches am Tag des offenen Denkmals geöffnet sein wird. Der Weg geht weiter über den Gotischen Stadel zu ausgewählten Gebäuden und (Markt-)Plätzen in Alt- und Neustadt.
An acht Wegstationen werden am Tag des offenen Denkmals Schautafeln mit Reproduktionen alter Pläne und Ansichten sowie mit prägnanten Erläuterungen zu Funktion und Entwicklung ausgewählter Denkmäler aufgestellt.

 


Exkursion: "Altstraßen um Landshut: Hohlweg bei Schlossberg"
Uhrzeit:
11 Uhr
Wer führt: Prof. Dr. Georg Spitzlberger
Treffpunkt: Hohlweg bei Schlossberg, Treffpunkt Horoskowitz-Denkmal in Aign, Gemeinde Tiefenbach, Landshut, Koordinaten N 48.51658°, E 12.12558°
Dauer: circa 60 Minuten
Veranstalter: Bauzunfthaus Landshut e.V.
Hinweis: geeignetes Schuhwerk ist für diese Begehung zu empfehlen

Alte Wege gab es schon zwischen den Siedlungen der Jungsteinzeit, die, angepasst an die passierbaren Geländeformen, auch bis zur Römerzeit und im Mittelalter weiterbenützt wurden. Jahrhunderte lang befahren, entstanden Hohlwege und kleine Schluchten, die an manchen Stellen heute noch erhalten sind, besonders wenn sie in der Neuzeit daneben durch befestigte Trassen ersetzt wurden. Zwei eindrucksvolle Beispiele werden bei zwei Exkursionen im Gelände begangen und jeweils in ihren historischen Zusammenhängen erklärt. Die von München über Moosburg kommende Straße führte einst bei Schlossberg (Große Reibe) den Hang hinauf, traf auf den Weg von Aign her, wo jetzt das Horoskowitz-Denkmal steht, und lief als Goldingerstraße hinunter zum Zollhaus. Seit um 1564 die besser befahrbare Straße im Tal angelegt wurde, liegt die Schlucht nun verlassen da – nur alte Geschichten um Ereignisse von damals erinnern noch an ihre einstige Bedeutung.

 


Exkursion: "Altstraßen um Landshut: Altstraße nach Frauenberg"
Uhrzeit:
15 Uhr
Wer führt: Prof. Dr. Georg Spitzlberger
Treffpunkt: Altstraße nach Frauenberg, Treffpunkt Parkplatz Gretlmühle (bei Kreuzung Frauenberger Straße und LAS14), Koordinaten Parkplatz N 48.57210°, E 12.22844°
Dauer: circa 60 Minuten
Veranstalter: Bauzunfthaus Landshut e. V.
Hinweis: geeignetes Schuhwerk ist für diese Begehung zu empfehlen

Tief ausgefahrene Altstraßenschlucht im Wald rechts von der heutigen Straße nach Frauenberg. Vermutliche Zusammenhänge schon mit dem Isarübergang der Römerzeit und der Wachfunktion der Straßburg im hohen Mittelalter.

 


Führung: "Bewegung am Kulturstandort | Standortkultur in Bewegung:
Altes Franziskanerkloster"
Uhrzeit:
12 Uhr
Wer führt: Dr. Franz Niehoff, Leiter Museen der Stadt Landshut
Teilnehmerzahl pro Führung: maximal 30 Personen (Führungstickets sind an der Tourismus-Information im Landshuter Rathaus erhältlich)
Treffpunkt: Museum im Kreuzgang, Kolpingstraße 483
Dauer: 45 Minuten
Spezial: Verschiedene Raumabschnitte des Alten Franziskanerklosters sind geöffnet von 10 bis 18 Uhr.

Durch einen Stadtratsbeschluss vom Juli 2008 wurde die Weichenstellung für den Ausbau des Alten Franziskanerklosters als zweites Standbein der Museen der Stadt Landshut gegeben. Mit einer Führung durch das "unwegsame Baugelände" während der Phase der Planungen und Visionen soll allen Interessierten die Möglichkeit gegeben werden, sich vor Ort Einblick in die vielfältige Bewegungsmechanik dieses alten Bauwerks zu verschaffen.
Als Bestandteil des Rundgangs wird mit Hilfe einer Multivision zunächst ein spannender Rückblick auf die Geschichte kultureller Mobilität an diesem Standort vermittelt. Sodann schließt ein sportlicher Ausblick auf die naheliegende Zukunft dieses Denkmals als Ort kultureller Dynamik an.

 


Ausstellung: "40 Jahre Kunstverein Landshut – ein Ausblick"
Ort:
Altes Franziskanerkloster
Öffnungszeiten am 12. September: 10 bis 18 Uhr

Die Ausstellung nutzt die vor der notwendigen Sanierung stehenden Räume im ersten Obergeschoss des Alten Franziskanerklosters für eine künstlerische Intervention. Sechs vom Landshuter Kunstverein ausgewählte Künstler der Region suchen in aktiver Auseinandersetzung die ureigene Atmosphäre dieser Räume in ihrem Wandel zu erkunden. Mit den raumbezogenen Werken von Peter Dorn, Valentin Goderbauer, Annegret Hoch, Renato Rill, Christian Schnurer und Astrid Schröder tritt das anregende Bewegungs-Potenzial bildender Kunst der Gegenwart für diesen Standort ans Tageslicht. In Frage und Antwort, Rede und Gegenrede entstehen offene Welten im Ortsdialog. Dank ihrer Poesie, Magie und Faszination öffnen sie ein Tor für die nachhaltige Zukunft der Ortskunst in Landshut.

 

Führung: "Kultur auf der Strecke ... – Tausend-Meter-Kulturparcours"
Uhrzeit:
14 Uhr
Wer führt: Dr. Franz Niehoff, Leiter Museen der Stadt Landshut
Treffpunkt: vor dem Haupteingang der Heiliggeistkirche
Dauer: 75 Minuten

An ausgewählten Stationen in der Landshuter Innenstadt geht dieser thematische Rundgang dem Motto "Kultur in Bewegung" auf seinen nur scheinbar unbewegten Grund. Tagesaktuelle Leitfragen liefern den Treibstoff für dynamische Antworten:
Woher stammen die Steine des Westportals der Heiliggeistkirche? Welche Rolle spielt die reißende Isar für die Kulturgeschichte in Landshut? Über Geldströme und Handelsgüter: Was geschah Bewegendes am Bischof-Sailer-Platz? Welche Reichweite hatten die Gnadenbildrepliken der "Muttergottes mit dem geneigten Haupt" aus dem Landshuter Ursulinenkloster? War die Neustadt als Sackgasse geplant? Wann kamen ungarische Ochsen hierher? Woher stammten bedeutende Gäste der "Goldenen Sonne? Welchem Impuls verdankt sich die Erstellung des Kriegerdenkmals in der Neustadt? Wohin wandte sich Generalmajor von Wrangel 1648 nach der Einnahme von Landshut? Welche Dynamik brachten die Jesuiten der geistlichen Stadt Landshut? Warum und wozu bedarf es kultureller Bewegung im alten Franziskanerkloster?
Eine unterhaltsame Anleitung zu essayistischer Bewegungskultur auf der 1000-Meter-Distanz: Kunterbunt und zum Nachdenken anregend.

 

Ausstellung: "Die Eisenbahn kommt nach Landshut"
Ort:
Staatliches Bauamt Landshut, Innere Regensburgerstr. 7-8
Veranstalter: Staatliches Bauamt Landshut
Öffnungszeiten: ab 10 bis 16 Uhr

Mit der Einweihung der Bahnstrecke von München nach Landshut im Jahr 1858 begann für die Stadt ein wesentlicher Schritt hin zur Industrialisierung. Der Transport von Waren wurde vereinfacht und auch das Reisen wurde alltäglicher als vorher. Die Geschichte der Landshuter Bahnhofsgebäude vermittelt einen Eindruck von dieser neuen Errungenschaft.

 

03.09.2010