DeutschEnglishFrancaisItalianPolishportugiesischRomanianRussianEspaniaTurkeyArabic
SchreibenSeite drucken

Die Burg Landshut, genannt Trausnitz

Burgmodell vor dem Schwedenkrieg
aktuelles Burgmodell (ohne Vorburg)
Luftaufnahme (Klaus Leidorf)

Geschichte

Burg Trausnitz mit Ballhaus
Sandner Modell
Carl Spitzweg, Wehrgang
Wehrgang
Burggraben
Wasserturm
Wittelsbacher Turm
Empfangssalon
Burgbrand
Burgbrand

Die Keimzelle der Stadt war die Burg. Sie diente, wie ihr Name sagt, als "Hut des Landes" und war lange Zeit Sitz der herzoglichen Regierung. Erst um das Jahr 1550 wurde der Name Trausnitz gebräuchlich, der bis heute einer sinnvollen Deutung harrt.

Die ältesten Teile der Burg gehen auf die Gründungszeit, auf die Jahrzehnte nach 1204, zurück. Romanisch sind die beiden Halbrundtürme mit den Kreuzbogenfriesen zu beiden Seiten des spitzgiebeligen Torbaues. Diese Rundtürme wurden erst in gotischer Zeit durch den Torbau miteinander verbunden. Aus der romanischen Zeit stammen auch die unteren Geschosse des Bergfrieds, des "Wittelsbacher Turms", der früher "Hoher Turm" hieß, und die Georgskapelle.

Ihre großen Tage sah die Burg zur Zeit der Hofhaltung der ersten bayerischen und ab 1255 der niederbayerischen Herzöge bis zum Tod Herzog Georgs des Reichen im Jahr 1503. Das Stadtmodell von Jakob Sandner aus den Jahren um 1570 gibt uns eine sehr genaue Vorstellung vom Baubestand der Burg zur Zeit ihrer größten Ausdehnung. Mit dem Erlöschen der Landshuter Linie des bayerischen Herrscherhauses war die Burg ihrer alten Bedeutung als Sitz regierender Fürsten entledigt. Doch der mittelalterliche Baubestand erfuhr noch mehrere Male Eingriffe, die bis heute fortwirken: Herzog Ludwig X. hatte von 1516 an in der Trausnitz Wohnung genommen, bis 1543 seine Stadtresidenz in der Altstadt fertig war. Er ließ 1517 die Kapelle einwölben, 1528 den Pfaffenstock zwischen Torbau und Wittelsbacher Turm und 1541/42 den großen, dreischiffigen Keller unter dem Kellergebäude der Vorburg bauen. Herzog Albrecht V. ließ 1558 das noch bestehende Gebäude darüber aufführen. Es ist jenes der zwei breiten Giebelhäuser vor der Hauptburg, an dessen Giebelmauer ein Treppenturm angebaut ist.

Herzog Wilhelm V., der Fromme, verbrachte seine ersten Ehejahre mit Renata von Lothringen von 1568 bis zu seinem Regierungsantritt 1579 in der Burg. Er ließ viele Räume und den Burghof im Renaissancestil umgestalten. Aus dieser Zeit stammen die zweigeschossigen Laubengänge des Fürsten- und des Dürnitzbaues, die seither den Charakter des Burghofs prägen. Neben dem Fürstenbau ließ er den "Italienischen Anbau" und die berühmte "Narrentreppe" aufführen, neben dem Dürnitzbau den Söller mit dem Tanzboden. Das 17. Jahrhundert brachte große Einbußen: Am 22. Juli 1634 schossen die Schweden bei der Belagerung der Stadt neben dem Waifenturm beim heutigen Schanzl im Hofgarten eine Bresche in die Mauer und erstürmten durch sie Burg und Stadt. Die meisten Gebäude der Vorburg gingen in Flammen auf.

Das Bestreben, die Burg im merkantilistischen Sinn wirtschaftlich zu nutzen, führte 1762 zur Einrichtung einer kurfürstlichen Wollzeugfabrik, die aber schon 1771 wieder stillgelegt wurde. 1805 und 1806 diente die Burg als Kaserne und Lazarett. Schon im 17. Jahrhundert hatte die Burg für Registraturzwecke der Regierung gedient. Aus einem Depot der Münchner Hofkammer entwickelte sich seit der Mitte des 18. Jahrhunderts das Staatsarchiv für Niederbayern, das bis heute in der Burg untergebracht ist. Um 1870 ließ sich König Ludwig 11. die Zimmer im zweiten Stock des Fürstenbaues als Absteigequartier herrichten. Wenngleich die dem Renaissancestil nachempfundenen Räume Ludwigs II. nicht mehr zu den Kunstleistungen alter Art gezählt hatten, so atmeten sie dennoch königlichen Geist. Alle Räume des Fürstenbaues, die Renaissancezimmer Wilhelms V. im ersten Obergeschoss und die königlichen Gemächer im zweiten Obergeschoss sind dem Brand am 21. Oktober 1961 zum Opfer gefallen.

In seinen Mauern entstand seither ein modernes Archiv-Magazin für viele hunderttausend Akten, Amtsbücher und Urkunden zur Geschichte Niederbayerns.

Heute dienen die einzelnen Bauten verschiedenen Zwecken: Im Fürstenbau links und im Damenstock rechts befinden sich Archiv-Magazine. Der dazwischenliegende Dürnitzbau mit den vorgelagerten Arkaden ist museal eingerichtet. In seinem Erdgeschoß liegt der frühgotische Dürnitzsaal mit seinen mächtigen Gewölben, neben ihm die spätromanische Burgkapelle und über der Kapelle der Georgs-Rittersaal. Über der Dürnitz liegt der zwei Stockwerke hohe "Weiße Saal". Jene Raume des Fürstenbaues, die sich an die Burgkapelle anschließen, sind über drei Stockwerke hin ebenfalls in die Führungslinie einbezogen. Dazu zählt auch der "Italienische Anbau". Im Erdgeschoß des Fürstenbaues befindet sich die "Neue Dürnitz", die darüberliegenden Räume des ersten und zweiten Obergeschosses sind mit alten Möbeln und den elf großen Wirkteppichen "Die Taten des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach" ausgestattet.

Im Südtrakt der Burg vom Torbau bis zum Wittelsbacher Turm sind Wohnungen und Verwaltungsräume des Staatsarchivs untergebracht.

Vorburg

Die Vorburg im Sandner Modell
Fürstentreppe
Fürstentreppe
Ochsenklavier
Überreiter Tor

Für motorisierte Besucher ist auf der Zufahrtstraße vor der Burg ein großer Parkplatz angelegt. Zu Fuß ist die Burg von der Stadt aus auf drei weiteren Wegen zu erreichen.
Der kürzeste Weg ist die alte Reitertreppe, das "Ochsenklavier". Man geht vom Dreifaltigkeitsplatz aus ein Stück die Alte Bergstraße hinan und biegt beim ersten Fußweg links ab.

Bleibt man etwas länger auf der Alten Bergstraße, so führt hundert Schritte nach dem Burghausertor ein anderer, steilerer Fußweg zur Burg, der "Königsweg". Er führt vor das "Überreitertor" mit dem großen Torturm.
Vor dieses Tor gelangt man auch, wenn man von der Stadt aus den schattigen Weg durch den Hofgarten wählt.

Nun betritt man den malerischen Wehrgang. An seinem Ende liegt der "Hungerturm". Von ihm aus gelangt man in den Bereich der eigentlichen Vorburg. Das linke der zwei großen Giebelhäuser mit der Sonnenuhr war der "Große Stall".
Heute sind die Büroräume der Schlösserverwaltung und Wohnungen darin untergebracht. Das andere große Giebelhaus mit dem Treppenturm ist das Kellergebäude aus dem 16. Jahrhundert mit einem tiefen, gewölbten Keller, der durch Stützpfeiler ähnlich wie eine Kirche in drei Schiffe geteilt ist. In jedem dieser drei Schiffe befand sich bis um 1800 ein riesiges Weinfaß.

Zwischen diesen beiden großen Häusern lag der "Kleine Stall". Er ist bis auf einen kleinen Verbindungstrakt verschwunden.

Auf dem Vorhof, wo heute eine schattige Baumreihe zur Rast einlädt, stand früher das herzogliche Ballhaus für Turniere und Festlichkeiten.
Hinter dem Kellergebäude und dem großen Stall liegt eine Wiese, die im Mittelalter tagtäglich geschäftiges Treiben und Werken gesehen hat. Hier standen die zahlreichen Wirtschaftsgebäude der Vorburg. Ihre Grundmauern stecken noch heute in der Erde. An den Löwenzwinger schloss sich das große herzogliche Brauhaus an. Den spitzen "Falkenturm" und den "Waffenturm" in der Ecke verdeckte vor Zeiten der langgestreckte Hofkasten, der die Lebensmittelvorräte enthielt. Vom Waffenturm bis nahe an das große Kellergebäude zog sich das riesige "Harnischhaus" hin, das Magazin für die Wehr- und Materialvorräte. Den Platz, an dem heute der große Birnbaum steht, nahm früher die herzogliche Hofschmiede ein.

Eine ganze Reihe weiterer Gebäude befand sich hier; erhalten hat sich nur das allerkleinste, das Brunnstübl. Dieser Bereich der ehemaligen Vorburg führt in Erinnerung an die Belagerung von 1634 den Namen "Schwedenwiese". An die Bresche in der Mauer, welche die Schweden schossen, erinnert das "Schwedentor".

Hauptburg

Inneres Burgtor
Längsschnitt durch den Dürnitzbau
Burginnenhof
Burginnenhof

Eine Brücke führt über den Burggraben, den "Löwenzwinger", in dem früher wirklich Löwen, die bayerischen Wappentiere, gehalten wurden.
Wir gelangen durch den Torbau in den Innenhof der Burg. Das heutige Erscheinungsbild dieses Hofes ist durch die Umgestaltung unter Wilhelm V. um 1578 im Sinne der Renaissance geprägt.

Schließen wir uns einer Führung an: Sie beginnt im Erdgeschoß unter den Laubengängen des Dürnitzbaues und führt durch einen schmalen, spätgotisch eingewölbten Gang. Die Rippenprofile dieses Ganges gleichen jenen der Georgskapelle, die 1517 eingewölbt wurde. Der Gang diente der Verbindung zwischen der Hofküche im Damenstock und der "Neuen Dürnitz", in die wir jetzt gelangen. Sie nahm ursprünglich das ganze Erdgeschoss des Fürstenbaues ein; heute ist sie abgeteilt und zum größeren Teil dem Staatsarchiv zugeordnet. Bis um 1460 hatte die "Alte Dürnitz" im Dürnitzbau als Raum für das Gefolge der Herzöge gedient; dann wurde die Neue Dürnitz zu diesem Zweck ausgebaut. Der Raum besitzt eine flache Decke. Er ist mit alten Gebrauchsgegenständen, Kunstwerken und Bilddokumenten zur Geschichte der Burg ausgestattet.

Bedeutende mittelalterliche Stücke: Vier Konsolsteine mit Männergesichtern, um 1230, aus einem älteren Bauzustand der Burg, aufgefunden 1967 als Verstärkung des Fundaments eines der Pfeiler der Neuen Dürnitz; gotische Truhe, großer gotischer Schrank (letzterer aus der Sakristei der Pfarrkirche Arnstorf, Landkreis Rottal-Inn), beide um 1500. Eine bedeutende Arbeit aus der Renaissancezeit ist der gusseiserne Ofen mit der Jahreszahl 1529 und den Anfangsbuchstaben HL - Herzog Ludwig. Auch das 18. Jahrhundert ist mit einem bedeutenden Werk vertreten, mit der Holzfigur des hl. Florian von Christian Jorhan, 1763 geschaffen für den Brunnen, der sich im Burghof an den Dürnitzbau lehnt.

Narrentreppe

Narrentreppe
Narrentreppe
Narrentreppe
Narrentreppe
Narrentreppe

Die Narrentreppe (im Italienischen Anbau) ist in zweifacher Hinsicht ein Kuriosum der Kulturgeschichte: wegen der Eigenart ihrer Architektur und wegen ihrer Bemalung.
Die Treppe ist als Schachttreppe auf viereckigem Grundriss angelegt, in dessen hohlem Mittelkern sich früher ein Speisenaufzug befand. Sie verbindet alle Geschosse des Italienischen Anbaues und damit des Fürstenbaues. In jeder Ecke ist ein Podest, das durch ein Kreuzgewölbe überwölbt ist. Die Stufen sind durch ansteigende Tonnen überwölbt, die von gedrungenen Rundsäulen getragen werden: ein ungemein kunstvolles Spiel mit den Baumassen. In dieser eigenartigen baulichen Gestaltung ist die Narrentreppe ein Kompromiss zwischen deutschen und italienischen Gedanken, eine der frühesten großen Treppenanlagen aus nachgotischer Zeit in unserem Land.

Der Ruhm dieser Treppe liegt indes nicht in dieser architektonischen Besonderheit begründet, sondern in ihrer Ausmalung. Ihr Bauherr, Erbprinz Wilhelm, hatte Freude an dem Stegreif-Possenspiel fahrender italienischer Schauspieltruppen, der Commedia dell'arte, an Pantalone, dem ergrauten Kavalier, Prahlhans, Betrüger und Betrogenem, und seinem Begleiter, dem pfiffigen Diener Zane. Dieser Zane ist der unerschöpfliche Erfinder derber, nicht selten obszöner Späße: der Hanswurst. Stets hält er sich an seiner und anderer Herren Dummheit schadlos. Neben diesem Männergespann sind auch Frauen im Spiel: Cortigiana, eine Dienerin der Venus, und eine alte Kupplerin.

Der Maler Friedrich Sustris hat die Vorlagen für eine Anzahl solcher Stegreif-Szenen gefertigt; Alessandro Scalzi hat sie 1578 ausgeführt, und der Landshuter Franz Joseph Geiger hat sie 1679 restauriert. Die locker gereihten Darstellungen sind lebensgroß. Sie beginnen im zweiten Obergeschoss und ziehen sich hinunter bis zur Badstube im Keller. Erbprinz Wilhelm ließ sich und seine Gemahlin selbst in das Narrenspiel einbeziehen; die unterste Szene zeigt einen pfiffigen Alten, wie er das fürstliche Paar an den Händen nimmt und es ins Reich der Narrheit führt.

Das Kabinett im Italienischen Anbau wurde erbaut, stuckiert und bemalt um 1575. Die Bildnisse Herzog Wilhelms V. und seiner Gemahlin Renata von Lothringen stammen aus dem Ende des 16. Jahrhunderts.

Georgskapelle

Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle
Georgskapelle

Der Weg führt nun zurück in die Neue Dürnitz und von hier in die Georgskapelle. Sie ist der bedeutendste Raum der Burg. Ihr Bau fallt noch in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Wie andere fürstliche Kapellen aus ältester Zeit ist sie doppelkapellenartig gestaltet. Der untere Teil war für das Volk und der obere für die Fürstlichkeiten bestimmt.

Im Mittelalter besaß die Georgskapelle eine flache Holzdecke. Erst gegen Ende der gotischen Zeit, im Jahr 1517, hat man das heutige Rippengewölbe eingezogen. Die Georgskapelle ist mit Kunstwerken von höchstem Rang ausgestattet. Sie stammen zum Teil aus der romanischen und zum anderen Teil aus der gotischen Zeit.

Zu den romanischen Kunstwerken der Kapelle zählen die Gruppe der Verkündigung in der Oberkirche links neben dem Altar als Ankündigung und die große Kreuzigungsgruppe als Vollendung des Heilgeschehens, ferner die Figuren Katharina und Barbara zu beiden Seiten der Altarapsis der Oberkirche. Die Reihe der in der Brüstung der Empore sitzenden Figuren mit Gottvater, Aposteln und Heiligen versinnbildlicht das Weltgericht. Diese Figuren stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Namen der Meister, die sie geschaffen haben, kennen wir nicht.
Die Suche nach den Vorbildern der großen Kreuzigungsgruppe mit den zwei erhabenen Assistenzfiguren Maria und Johannes und der zwei weiteren Heiligen neben der Apsis der Oberkirche hat zu den Kathedralen von Chartres und Straßburg geführt. So darf man annehmen, dass der Meister der Landshuter Kreuzigung diese Leistungen der westlichen Kathedralgotik, die um 1235 hervorgebracht worden sind, gekannt hat.
Man erinnert sich, dass die bayerischen Herzöge der damaligen Zeit als "Pfalzgrafen bei Rhein" enge Beziehungen nach Westen unterhielten.
Der Meister, der die Apostelfiguren geschaffen hat, war vermutlich ein Mitarbeiter des Meisters der Kreuzigungsgruppe. Diese Figuren sind etwas später, um 1265, entstanden. Die Mittelfigur (1873 ergänzt) stellt Gottvater dar, neben ihr Maria und Johannes der Täufer. Die beiderseits neben ihnen sitzenden zwölf Apostelfiguren sind ohne Beigaben, so dass sie namentlich nicht bestimmbar sind. Die meisten halten ein Buch. Drei weitere Plastiken stellen andere Personen dar; eine von ihnen, die letzte Figur der rechten Reihe, trägt eine Mitra und ist wohl als Bischof zu deuten. Zwei andere Bildwerke - die Figur neben diesem Mitraträger und die letzte Figur der linken Reihe - stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Kreuzigungsgruppe ist aus Eichenholz geschnitzt; die anderen Figuren bestehen aus Stuck. Wesentlich Neues wurde der Kapelle erst im 15. Jahrhundert hinzugefügt, vor allem die drei Flügelaltäre der Unterkirche.

Der Hauptaltar ist eine Stiftung Herzog Heinrichs des Reichen. Er stammt aus der Zeit um 1425. Den steinernen Altartisch, auf dem er steht, hat sein Sohn Herzog Ludwig der Reiche 1474 aufstellen lassen, wie die lateinische Inschrift an seiner Vorderseite berichtet: "dux Lvdovicvs anno dornini milesimo qvadringentesirno septvagesimo qvarto die vicesimaqvarta may" - Herzog Ludwig im Jahr des Herrn 1474 am 24. Tag des Mai. Der Flügelaltar ist ein hervorragendes Werk des "Weichen Stils", einer höfischen Kunstrichtung der Zeit um 1400. Der Maler hat seinen Auftraggeber auf diesem Altar zweimal portraitiert: auf der Innenseite des rechten und auf der Außenseite des linken Flügels. Das dritte und letzte zeitgenössische Portrait Herzog Heinrichs des Reichen, das wir kennen, finden wir in den Herzogsfenstern der nahen Kirche in Jenkofen.
Mitteltafel: die Totenklage Mariens. Die Grabtumba unter dem Kreuz dient als Thron; rechts die originalgetreue Wiedergabe der Heiligen Lanze aus dem Reichsschatz. Auf den Innenseiten der Flügel vier heilige Jungfrauen in reichen, höfischen Gewändern: links Magdalena mit dem Salbgefäß, Margaret mit dem Drachen; rechts Elisabeth von Thüringen mit dem Brotwecken, Barbara mit dem Turm. Elisabeth empfiehlt den ihr zu Füßen knienden Herzog den Himmlischen. Unter ihm sein Wappen, Namenszeichen und Wahlspruch: "H(einrich) Wolt Gott". Auf den Außenseiten der Flügel ist links Georg mit dem Drachen und rechts Katharina mit dem Rad dargestellt. Zu Georgs Füßen kniet Herzog Heinrich der Reiche in Harnisch und weißblauem Rautenmantel. "Ora p(ro) me sancte Georg" - Bitte für mich heiliger Georg - steht auf dem Spruchband. Predella: Schweißtuch der Veronika; 16. Jahrhundert, spätere Zufügung.

Der reche Seitenaltar stammt vorn gleichen Meister wie der Hauptaltar.
Die Mitteltafel zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Der erste hat seine Krone abgelegt und bietet dem Kind eine Schatulle voll Geld dar, der zweite greift zur Krone, um sie abzulegen, und reicht ein Weihrauchgefäß, der dritte hält in einem großen Pokal Myrrhen bereit. Auf den Innenseiten der Flügel Katharina mit Rad und Barbara mit Turm, auf den Außenseiten der Drachentöter Georg und ein heiliger Bischof mit Stab und Wickelkind: Abundius, Nikolaus oder Pankratius.

Der linke Seitenaltar ist vierzig Jahre später, um 1465, entstanden. Seine Figuren sind nicht verhalten wie jene, sondern bewegt und mit Ausdruck erfüllt.
Mitteltafel: Die Kreuzigung; Johannes liest in der Heiligen Schrift die prophetischen Texte nach. Auf den Innenseiten der Flügel links Johannes der Täufer, rechts Johannes der Evangelist, den Kelch mit dem "Johannestrunk" segnend. Die Außenseiten der Flügel vereinigen sich zum Englischen Gruß: links Maria, rechts der Verkündigungsengel. Auf der Rückseite der Mitteltafel: Christus, in der geöffneten steinernen Tumba stehend, Erbärmdebild und Auferstandener zugleich.

Das aus Kalkstein reich gearbeitete Sakramentshaus neben dem Hauptaltar ist ein Werk des herzoglichen Hofmaurers zu Landshut Stephan Westholzer. Es trägt die Jahreszahl 1473.
Aus der Spätzeit des 15. Jahrhunderts stammt der Verbindungsgang zwischen den beiden Emporen mit dem schönen gotischen Holzgeländer.
Damals besaß die Kapelle noch ihre hölzerne Flachdecke. Sie wurde erst beseitigt, nachdem Herzog Ludwig X. 1516 die Statthalterschaft in Landshut angetreten und die Burg bezogen hatte. 1517 ließ er das gotische Rippengewölbe einziehen. Diese erste Baumaßnahme Herzog Ludwigs X. in Landshut ist noch der gotischen Stilepoche zuzuordnen. Dreißig Jahre später schuf er mit seiner Stadtresidenz den ersten Markstein italienischer Renaissance nördlich der Alpen.
Ludwig X. ließ über der Westempore der Burgkapelle eine zweite, hölzerne Empore mit dem holzumkleideten Oratorium, dem fürstlichen Gebetsraum, errichten. Dieses Oratorium ist mit einem Kachelofen ausgestattet, der die Jahreszahl 1536 trägt. Ludwig X. bereicherte die Kunstausstattung der Kapelle auch durch die zwei großen Holzfiguren Christophorus und Georg, Meisterwerke altbayerischer Bildhauerkunst aus der Zeit um 1520. Die Christophorusfigur stammt wohl von dem mit Namen nicht bekannten "Meister des Dingolfinger Chorbogenkreuzes".

Sie war ein Ersatz für das große Wandgemälde, das bei den Umbauarbeiten zugrunde gegangen ist, wähnte man doch, dass ein gläubiger Blick auf das Bild dieses Heiligen den Menschen am gleichen Tag vor Unfall und Tod bewahre. Die Georgsfigur ist ein Werk von Stephan Rottaler; sie sollte das Patrozinium der Kapelle verdeutlichen.
Seit dem Tod Ludwigs X. erfuhr die Kapelle keine bedeutenden Veränderungen mehr. Wilhelm V. ließ rechts neben dem Altar der Fürstenempore einen Durchgang ausbrechen, dem das Gegenstück der romanischen Verkündigungsgruppe zum Opfer gefallen ist. König Ludwig II. ließ diesen Durchgang 1870 wieder schließen und - zu Füßen der hl. Maria kniend - sein eigenes Bildnis anbringen, ein Werk des Münchner Bildhauers Karl Knabl. 1748 stiftete Maria Anna, die Gemahlin des Kurfürsten Max III. Joseph, den Tabernakelaufbau der Oberkirche.
Nach dem Brand von 1961, welcher der Kapelle nur unwesentliche Schäden zugefügt hat, wurde sie restauriert. Sie zeigt sich heute im großen und ganzen so, wie sie nach der letzten Umgestaltung unter Ludwig X. ausgesehen hat.

Alte Dürnitz

Lageplan Erdgeschoss

Von der Kapelle führt eine Steintreppe in die "Alte Dürnitz". Dies ist eine zweischiffige Halle mit vier Doppeljochen. Achtseitige Mittelpfeiler und Wandpfeiler tragen die schweren Gurtgewölbe. Die Alte Dürnitz zählt zu den frühesten gotischen Bauwerken unseres Raumes. Sie ist bald nach der angrenzenden Georgskapelle um 1260 entstanden. Neben ihr liegt ein architektonisch gleichgestalteter Vorraum mit einem Mittelpfeiler und zwei Doppeljochen, der durch eine Wand von ihr getrennt ist.

An den Wänden sind Stangenwaffen des 16. bis 18. Jahrhunderts aufgestellt. Nach der Wittelsbacher-Ausstellung vom Jahr 1981 wurden die Abgüsse der großen Sandsteinreliefs des "Mainzer Kurfürstenzyklus" - ausgenommen die Figur des deutschen Königs - an der Längswand der Alten Dürnitz aufgestellt. Damit hat es folgende Bewandtnis: Um 1310 wurde auf dem Platz "Am Brand" in Mainz ein öffentliches Warenlagerhaus erbaut. An seiner Schaufront wurden um 1330 als Zinnen die Reliefs der sieben Kurfürsten (Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, König von Böhmen, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Sachsen, Markgraf von Brandenburg) und des deutschen Königs angebracht. Das Gebäude wurde 1793 durch französische Beschießung beschädigt und zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragen. Die acht Reliefs blieben erhalten; sie befinden sich heute im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz. Eines von ihnen zeigt die Gestalt des Pfalzgrafen bei Rhein und Herzogs von Bayern (des Herzogs Rudolf II., Sohn Herzog Rudolfs I., Enkel Herzog Ludwigs des Strengen von Bayern-München) mit einer der frühesten Darstellungen des bayerischen Wappens auf dem Schild, den Bogener Rauten und den Pfälzer Löwen.

Erstes Obergeschoss

Lageplan
Weißer Saal

Der Laubengang des ersten Obergeschosses mit Gratgewölbe wurde 1578 von Friedrich Sustris entworfen. In diesem Geschoss befinden sich ein Vorraum und ein Saal mit Ausstattung aus dem 16. und 17. Jahrhundert, der Vorraum zur Narrentreppe im Italienischen Anbau mit Gemälden aus der "Hofnarrenfolge" des Prinzen Wilhelm um 1570/75, das Kabinett im Italienischen Anbau mit Ausstattung aus dem 16. Jahrhundert, das ehemalige "Zimmer des Rates" mit Ausstattung aus dem 16. und 17. Jahrhundert, das ehemalige "Zimmer der Verschwiegenheit" und die Empore der Burgkapelle mit dem "herzoglichen Betstübl" für Ludwig X.

Der Weiße Saal, der sich über zwei Stockwerke erstreckt, ist nicht in die Führungslinie einbezogen. Er wurde 1975 wiederhergestellt und ist seither Versammlungsort für festliche Veranstaltungen. Deshalb führt der Weg nun den Laubengang entlang an ihm vorbei zur Treppe in das zweite Obergeschoss.

Zweites Obergeschoss

Lageplan
Wirkteppich
Wirkteppich
Wirkteppich
Wirkteppich
Söller

Flachdecke aus Holz. Die Sonnenuhr, 1524 gemalt nach Angaben von Peter Apian, dem Geographen und Astronomen Herzog Ludwigs X., hat durch die Errichtung der Laubengänge 1578/79 ihre Funktion verloren. Die Räume im zweiten Obergeschoß gehörten ehemals zum Appartement König Ludwigs II. Ein Vorraum ist als Ausstellungsraum eingerichtet und birgt zur Zeit religiöse Kunstwerke und altes Kirchengerät aus dem Bereich der Burg Trausnitz.

Erster Saal der Wirkteppiche mit drei von den elf Teppichen, die nach Entwürfen von Peter Candid zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Paris angefertigt und 1618 vollendet wurden. Sie beziehen sich auf Taten des ersten in Bayern regierenden Wittelsbachers, des Pfalzgrafen Otto, der 1180 mit dem Herzogtum Bayern belehnt worden, aber schon 1183 gestorben ist. Die Motive der drei ersten Teppiche:
1) Die Vermählung Ottos mit Agnes von Wasserburg
2) Otto besiegt Herzog Heinrich den Löwen
3) Otto schlichtet einen Streit zwischen Papst Hadrian IV. und den Römern

Ein Vorraum im Italienischen Anbau ermöglicht einen Einblick in die Narrentreppe; Beginn der Commedia.
Kabinett im Italienischen Anbau.

Zweiter Saal der Wirkteppiche mit drei weiteren Teppichen
4) Otto zwingt Ferrara zur Herausgabe von Geiseln
5) Otto empfangt im Namen des Kaisers eine griechische Gesandtschaft
6) Otto schlägt den Ausfall der Mailänder zurück

Dritter Saal der Wirkteppiche mit den drei Teppichen
7) Ottos Ernennung zum Obristwachtmeister
8) Otto erstürmt die Veroneser Klause
9) der Lehenseid der bayerischen Stände

Der Georgs-Rittersaal besaß bis zum Brand 1961 eine Holzkassettendecke aus der Zeit um 1535 mit eingelegtem Wappen Herzog Ludwigs X.
Die Decke wurde rekonstruiert. Hier hängen die beiden letzten Wirkteppiche:
10) Kaiser Friedrich Barbarossa belehnt Otto mit dem Herzogtum Bayern und
11) Herzog Otto gründet Landshut (in Wirklichkeit tat dies erst sein Sohn Ludwig).
Die übrige Ausstattung dieser Säle stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Nun führt der Weg durch den Laubengang zum Söller:
Durchgangsraum mit Bildnissen von Fürstinnen aus der Zeit Herzog Ludwigs X., um 1530/40.
Söllerstube mit Wandvertäfelung und Kassettendecke, um 1575; verkleideter Aborterker. Frauenbildnis (Aquarell und Tempera auf Wildschwein-Pergament) aus dem Ende des 15. Jahrhunderts (?), der Überlieferung zufolge die Prinzessin Hedwig von Polen, die Braut der Landshuter Hochzeit von 1475, darstellend. Gotischer Tisch. Vorraum zum Söller mit Holzverkleidungen wie im Vorraum und einer spätgotischen Lichtnische. Gotische Möbel: Truhe und Schrank. Der Söller erhielt im 16. Jahrhundert unter Wilhelm V. seine heutige Gestalt; eine Loggia wird schon 1493 erwähnt. Die Rundbogenarkaden gestatten einen weiten Ausblick auf die Schwedenwiese der Burg, auf die Stadt und auf das Isartal.

Die Brunnen

Wandbrunnen
Ziehbrunnen

Ehe wir den Burgbereich verlassen, wollen wir noch die beiden Brunnen beachten, die vor dem Wittelsbacher Turm liegen. Im allgemeinen erhielt die Burg ihr Wasser von den Quellen im Hofgarten. Doch um Notfällen vorzubeugen, ließ man zu Ende des 15. Jahrhunderts zwei tiefe Brunnen im Burginneren graben. Der freistehende Brunnen im Burghof besitzt ein eisernes Schöpfgerüst; das Rad, über das die Eimerkette aufgezogen wird, trägt die Jahreszahl 1525. Die Tiefe dieses Brunnens ist nicht bekannt.

Der zweite Brunnen führt 120 Meter tief bis zum Grundwasserspiegel hinunter. Sein eisernes Geschöpf wurde 1512 gefertigt. Dieser Brunnen ist von einem kleinen Brunnenhaus zwischen dem Wittelsbacher Turm und dem Pflegerhaus überdeckt (siehe Grundriss des Erdgeschosses "Brunnenhaus").

Auch den Wandbrunnen an der Hoffassade des Dürnitzbaues wollen wir noch betrachten. Das rechteckige Wasserbassin hat spätgotisch profilierte Wände aus rotem Marmor. Die Figur des hl. Florian von Christian Jorhan, die ehedem auf dem Tropfsteinaufbau im Bassin stand, befindet sich seit 1973 in der Neuen Dürnitz.

Hofgarten und Herzogsgarten

Hofgarten
Stadtblick
Alte Ulme

Geschichte

Universitätsplan
Stadtplan
Hirschgarten

Wie die Burg Trausnitz sind auch die beiden nahen Parkanlagen Fortwirkungen der herzoglichen Hofhaltung. Diese Anlagen gliedern sich in drei Teile:
1. in den "Haag", das ist der bewaldete Steilhang, der unmittelbar zu Füßen der Burg liegt. Er wird auf der einen Seite vom "Ochsenklavier", dem von der alten Bergstraße zur Burg führenden Fußweg, begrenzt, auf der anderen Seite durch die mittelalterliche Stadtmauer, die vom Hofgarten-Eingang beim Prantlgarten zum Schanzl hinaufführt,
2. in den Hofgarten, der sich von dieser steilen Stadtmauer und dem Burgbereich bis zur Bernlochner-Schlucht hin erstreckt und
3. in den Herzogsgarten, der von hohen Mauern umgeben zwischen dem Hofgarten und der Berlochner-Schlucht liegt.

Diese Garten gehörten im Mittelalter zur Burg Trausnitz. Auf dem dreiteiligen Kupferstich in Michael Wenings Beschreibung des Kurfürstentums Bayern (Rentamt Landshut, erschienen 1723) mit der Gesamtansicht der Stadt Landshut tummeln sich Reh und Hirsch im alten herzoglichen Tiergarten.

Der Haag zu Füßen der Burg befindet sich im Eigentum des Staates. Er ist nicht öffentlich zugänglich, weil die Burg Trausnitz so hart an den Rand des Isar-Steilhangs gerückt ist, daß der Bewuchs des Steilhangs nicht beschädigt werden darf. Die Sicherung der Fundamente der Burg hat nach dem Brand von 1961 hohe Aufwendungen erfordert.
Der Hofgarten und der Herzogsgarten hingegen befinden sich seit dem vorigen Jahrhundert im Eigentum der Stadt Landshut. Dies kam so:
Beide Gärten blieben nach dem Erlöschen der Landshuter Linie im Eigentum des Staates. Nachdem das Herzogtum während des Dreißigjährigen Krieges zum Kurfürstentum erhoben worden war, hieß der Hofgarten "Kurfürstlicher Park". 1804 wurde er mitsamt dem Herzogsgarten der bayerischen Landesuniversität Landshut übergeben. Nach ihrer Verlegung nach München im Jahr 1826 trachtete die Universität danach, ihn wieder zu veräußern. Nun war die Stadt daran interessiert, dass er nicht in Parzellen aufgeteilt und verbaut würde. Deshalb trat sie schon 1827 mit der Universität in Ankaufsverhandlungen ein. Doch diese Verhandlungen schliefen immer wieder ein, da sie von beiden Seiten mit biedermeierlicher Gemütlichkeit geführt wurden. Auch das Rentamt, die Finanzverwaltung, mischte sich ein, doch wer weiß, welches Ende die Sache genommen hätte, wenn sich nicht König Ludwig I. selbst in die Kaufverhandlungen eingeschaltet hätte. Er kannte den Hofgarten aus seiner Studienzeit an der Landshuter Universität. Damals, im Sommer 1803, musste ihm der Hofgärtner täglich frisches Obst und Blumen in die Residenz liefern. Am 14. Juni 1836 ließ der König die Stadt wissen, es sei ihm zu Ohren gekommen, dass der Hofgarten zu Landshut ein Schlupfwinkel für verdächtiges Gesindel zu werden beginne. Daher habe die Stadt den Hofgarten baldigst in ihren Besitz zu bringen. Drei Tage später war der Kauf vollzogen. Kaufpreis 12.732 Gulden. 1837 wurde der Hofgarten zum öffentlichen Besuch freigegeben. Der Stadtrat erließ eine Benützungsordnung, die in abgewandelter Form noch heute gilt.

Hofgarten

Hofgärtnerhaus
Fialenplatz
Kaiser Ludwig
Spielplatz
Gickerlbrunnen

Unser Spaziergang durch den Hofgarten beginnt beim Schanzl, neben dem alten Waffenturm der Trausnitz, denn von hier aus bietet sich der schönste Blick auf die Stadt. Das Schanzl war ein Eckpfeiler der Burgbefestigung. Wir erreichen es von der Stadt aus durch den Hofgarten, von der Burg aus durch den Wehrgang und linker Hand ebenfalls durch den Hofgarten. Vom Schanzl aus führen mehrere Wege zum zweiten Aussichtspunkt, dem Stadtblick. Hier befand sich ehedem ein kleiner Tempel, das "Salettl"; seine Grundmauern stehen noch. Vom Stadtblick führt ein langer, gewundener Spazierweg in die Stadt, und die "Teufelsbrücke" dieses Weges ist der besondere Spaß der Kinder: An einer Stelle, an der die mächtigen Konglomerat-Blöcke, durch Kalk verfestigtes Geröll, steil anstehen, ist ein künstlicher Weg aus Balken und Bohlen angelegt.
Ein anderer Weg führt vom Stadtblick zum nahen Fialenplatz: Dieser Platz war vor der Aufhebung des alten Franziskanerklosters im Jahr 1802 die "Franziskaner-Rekreation". Anstelle der Steinfiale stand damals das "Franziskaner-Lusthaus": In ihm machten die Patres Rast auf ihren Spaziergängen durch den Hofgarten. Die Fiale und die ihr zu Füßen liegenden gotischen Werksteine stammen von der Martinskirche. Man übertrug sie 1875 hierher, als man die schadhaften Werksteinteile der beiden Turmkränze durch neues Material ersetzte. Hans Carossa hat der Schilderung eines Spaziergangs zu diesem idyllischen Platz in seinem Buch "Der Tag des jungen Arztes" ein eigenes Kapitel gewidmet.

Vom Fialenplatz aus gehen wir am Tiergehege entlang zum Hofgärtnerhaus. Mit diesem Tiergehege setzt sich die Tradition der Tierhaltung im herzoglichen Tiergarten fort. Das Hofgärtnerhaus ist ein Barockbau. Ihm gegenüber, wo heute der von dem Landshuter Goldschmiedemeister Hugo Högner geschaffene Brunnen mit dem Bronze-Gockel steht, befand sich noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die "Weinpresse": Damals gehörte auch noch ein Weingarten zum Hofgarten, und in der "Peltzschule" wurden noch Rebstöcke herangezogen. Hinter dem Hofgärtnerhaus liegt die Hofgärtnerei und daneben ein weiteres Tiergehege.

Jetzt wenden wir uns dem Weg zu, der vom Hofgärtnerhaus etwas bergab zum Herzogsgarten führt.

Herzogsgarten

Freundschaftstempel und Sckell Denkmal
Freundschaftstempel
Sckell Denkmal
Herzogschlösschen
Loretokirche vor 1945
Loretokirche 1945
Luftbild 1945

Der Herzogsgarten ist ein kleiner, durch hohe Mauern umfriedeter Park. Nachdem Herzog Wilhelm von Birkenfeld-Gelnhausen 1780 seine Hofhaltung nach Landshut verlegt und die Stadtresidenz bezogen hatte, ließ er sich 1782 als Sommeraufenthalt im Herzogsgarten das heutige Herzogsschlösschen errichten. Als Architekten zog er den Landshuter Stadtbaumeister Thaddäus Leitner bei. Das Herzogsschlösschen wurde ein Bau im Sinne des neuesten Geschmacks: Brachte andernorts noch die Rokoko-Zeit ihre spätesten Äußerungen hervor, so bemaß sich das Herzogsschlösschen schon nach klassizistischer Art. Es ist das späteste unter den fürstlichen Baudenkmälern der Stadt Landshut. Die beiden anderen Bauwerke im Bereich des Herzogsgartens entstanden zur nämlichen Zeit: der kleine runde Tempel und das Einfahrtstor, das dem Garten eine vorgeblendete Schaufassade nach Art eines antiken Triumphbogens zeigt. Die vornehme Wirkung seiner Blendfassade wird noch gesteigert durch eine große Tafel aus rotem Marmor, die über dem Torbogen angebracht ist. Herzog Wilhelm widmete diese Tafel seinen beiden in Landshut geborenen Kindern, seinem Sohn Pius (geboren 1786) und seiner Tochter Maria Elisabeth Amalie Franziska (geboren 1784). Mit der Planung der Gartenanlagen um das Schlösschen im englischen Stil betraute Herzog Wilhelm den Münchner Gartenkünstler und späteren Hofgarten-Intendanten Friedrich Ludwig Sckell. Aus dieser Zeit stammen die ausländischen Bäume, die später vom Herzogsgarten aus in den Hofgarten Eingang gefunden haben: Tulpenbaum, amerikanische Zeder, Edelkastanie und andere. Die Ausführung der Gartenanlage selbst besorgte der jüngere Bruder des Planfertigers, der spätere königlichbayerische Hofgärtner Matthäus Sckell. 1784 war die Neuanlage des Parks vollendet. Sie fand den Beifall Herzog Wilhelms in so hohem Maße, dass er den beiden Gartenkünstlern das unter dem Schlösschen befindliche Denkmal setzte. Diese Sandsteinplastik besteht aus Sockel und Vase. Die Inschrift am Sockel lautet ins Deutsche übertragen: "Dem Schüler und Nacheiferer der Natur, der gütigen Mutter aller Dinge, dem Gestalter dieses Gartens, Friedrich Ludwig Sckell gewidmet, dem ersten, der sowohl in Bayern als auch in der Pfalz eine Anlage dieser Art schuf, und seinem Bruder Matthäus Sckell, der sie ausführte."

Im Jahr 1800 verließ Herzog Wilhelm von Birkenfeld Landshut. Die Stadt war um eine Hoffnung ärmer, denn der Herzog war ein großer Wohltäter gewesen und hatte der Stadt viele Beispiele einer wahrhaft adeligen Gesinnung gegeben. Aus diesem Grund trägt der Annaberg noch den Namen seiner Gemahlin. Mit dem Herzogsgarten hinterließ uns Herzog Wilhelm ein kostbares Erbstück. Hat man sich auf dem Rundweg dem Freundschaftstempel auf eine Distanz von etwa 30 Metern genähert, so genießt man einen der vornehmsten Anblicke, die das Gefüge unserer Stadt zu bieten vermag: die edlen Formen des kleinen klassizistischen Tempelsaals, eines Marksteins zwischen der alten und der neuen Zeit, umgeben von kultivierter Natur. Aber auch Zeugnisse menschlicher Zerstörungswut begegnen dem Spaziergänger im Herzogsgarten und längs des Weges, der außen an ihm vorbeiführt: eine Anzahl flacher Mulden. Bei ihnen handelt es sich um weitgehend eingeebnete Bombentrichter. Beim Luftangriff vom Josefitag 1945 hielten einige amerikanische Bomber den neuromanischen Ziegelrohbau der Loretokirche für eine Munitionsfabrik.