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Stadtrundgang - Historischer Stadtführer, Stand: 1995

In den digitalisierten Fassungen der Bücher von

  • Gerhard Tausche "Landshuter Stadtgeschichte" und
  • Dr. Hans Bleibrunner, "Historischer Stadtführer" (Stand: 1995)

kann online recherchiert werden:

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Der "Historische Stadtführer" (ein Spaziergang durch die Stadt im Jahr 1995) wird - neu illustriert - über das Menü der linken Spalte (Burg Trausnitz, Altstadt, Neustadt, usw.)  abrufbar sein.
Alle Einträge finden Sie zudem im Stadtinformationssystem. Hier verbergen sich hinter jedem anklickbaren Icon die entsprechenden Details.

Landshut um 1790

Landshut um 1790

A Die alte Stadt
B Die neue Stadt
C Zwischen den Brücken
1 Rurg Trausnitz
2 Residenz
3 Judentor (Münchner Tor)
4 Hutertor (Burghauser Tor)
5 Loretotor (Hagrainer Tor)
6 Kapuzinzrtor (Zerrertor)
7 Isartor (Äußeres Isartor)
8 Ländtor
9 Sankt Martin
10 Maltheser (Jesuitenkolleg)
11 Franziskaner
12 Heilig Kreuz
13 Loreto
14 Sankt Jodok
15 Dominikaner
16 Ursulinerinnen
17 Kapuziner
18 Stadtkrankenhaus (Rochus-Blatternhaus)
19 Heilig Geist
20 Sankt Sebastian
21 Heilig Dreifaltigkeit
22 Sankt Thekla
23 Herrschaftlicher Getreidkasten (später Landgerichtsgebäude)
24 Landschaftsgebäude (Alte Post)
25 Rathaus
26 Hauptwache
27 Heumagazin (alter Salzstadel)
28 Spital
29 Provianthaus (früher landesherrliche Mühle; gegenüber das alte Schlaghaus an der Isar = Städtisches Schlachthaus)
30 Kaserne und Ställe (Roßkopf oder Alte Kaserne anstelle des 1905 gebauten Postgebäudes, 1855 abgebrochen; Isar- oder neue Kaserne am Isarufer unmittelbar vor dem Bau des Postgebäudes abgebrochen)
31 Militärlazarett
32 Schießhaus
33 Herrschaftliche Weiher
34 Paradeplatz
35 Stadtlazarett (Magdalenenheim)
36 Sausteg
37 Land
38 Fleischbank
39 Die ehemaligen Seidengärten
40 Dominikanerweiher

Ein geschichtlicher Spaziergang voraus

Ludwig I der Kelheimer
Ludmilla von Bogen

Vor ungefähr 6000 Jahren wanderten Bauern aus den Schwarzerdegebieten der unteren Donau in das Voralpenland ein. Sie haben die Lößflächen der großen Flusstäler dem menschlichen Leben erschlossen. Die "Jüngere Steinzeit" war angebrochen. Auch die Gegend um Landshut ist seit dieser Zeit von Menschen besiedelt. Immer wieder stoßen die Archäologen im Isartal und im Bereich seiner Randhöhen auf die Überreste jungsteinzeitlicher Siedlungen, aber auch auf Spuren der nachfolgenden Kulturen: der Bronzezeit (3000 bis 1200 vor Christus), der Eisen- oder Hallstattzeit (1200 bis 500 vor Christus) und der Keltenzeit (500 vor Christus bis um Christi Geburt). Seit dem Jahr 15 vor Christus gehörte das damals noch sehr dünn besiedelte Hügelland zu beiden Seiten der Isar zum römischen Weltreich. Das niederbayerische Donautal war die Nordgrenze des Imperiums. Dort legten die Römer eine Reihe fester Plätze an, in denen sie ihre Truppen stationierten, die Kastelle: nahe dem heutigen Dorf Eining (Abusina), in Regensburg (Castra Regina), in Straubing (Sorviodurum), in Künzing (Quintanis), in Passau (Batavis, Boiodurum, Boiotro).
Gegen Ende des fünften und zu Beginn des sechsten Jahrhunderts haben sich der im Land ansässigen Restbevölkerung germanische Volksgruppen unterschiedlichster Zugehörigkeit zugesellt. Um 550 werden die Menschen, die damals in dem Land zwischen Enns und Lech, zwischen Alpen und Donau, lebten, erstmals "Bayern" genannt.

Die Siedlungen der Römer waren während dieser unruhigen Zeit zugrunde gegangen. Nur jene römischen Plätze, die seit der Christianisierung Residenzstädte von Bischöfen sind, haben ihre Tradition bewahrt: Augsburg, Regensburg, Passau, Salzburg. Im übrigen siedelten sich unsere Vorfahren auf dem Lande an, und Ortsnamen mit der Nachsilbe -ing sind Zeugen aus dieser frühesten Phase bayerischer Siedlung: Eching, Ergolding, Dingolfing, Usterling. Schon im Frühmittelalter entstanden auch die ersten Klöster unseres Landes: Weltenburg um 620, Niederaltaich um 740, Metten um 770. Einige Jahrhunderte später, als das Altsiedelland nicht mehr ausreichte, drangen unsere Vorfahren von den altbesiedelten Flusstälern aus in das innere Hügelland ein und machten es dem Ackerbau nutzbar. Damals entstanden die vielen Dorfnamen mit den Nachsilben -hofen, -kofen, -hausen, -heim, -dorf.
Hatten sich im frühen Mittelalter die Großfamilien mit allem, was sie zum Leben nötig hatten, selbst versorgt, so änderten sich nun die Formen des Wirtschaftens. Im hohen Mittelalter, im 12. und 13. Jahrhundert, bildeten sich die verschiedenen Handwerke aus. Es entwickelten sich Handel und Verkehr. Handwerker und Kaufleute waren darauf angewiesen, sich an verkehrsgünstig gelegenen Plätzen anzusiedeln, um mit der bäuerlichen Bevölkerung des Umlandes einen Austausch der Wirtschaftsgüter zu pflegen. So entstanden im 13. und im 14. Jahrhundert an Kreuzungen wichtiger Straßen und an Flussübergängen unsere Städte und Märkte. Sie sind damit die jüngsten Siedlungen des Landes. Diese Entwicklung fiel in Bayern zusammen mit der Regierungszeit der ersten Herzöge aus dem Grafengeschlecht der Wittelsbacher. Seit der Mitte des 6. Jahrhunderts hatte das wohl fränkische Herzogsgeschlecht der Agilolfinger die Geschicke des ersten bayerischen Staatswesens gelenkt. Kaiser Karl der Große bereitete diesem ersten Herrscherhaus im Jahr 788 ein gewaltsames Ende. Er setzte Herzog Tassilo III. ab und gliederte das Herzogtum Bayern seinem Reich ein. Mit dem Ende des Karolingerreiches zerfiel auch Bayern in viele kleine Herrschaftsbezirke. Erst im Jahr 1180 setzte der Wiederaufstieg des bayerischen Staates ein. In diesem Jahr belehnte Kaiser Friedrich Barbarossa den Grafen Otto von Wittelsbach wegen seiner Verdienste um Kaiser und Reich mit dem Herzogtum Bayern. Herzog Otto I. regierte von 1180 bis 1183. Sein Sohn Herzog Ludwig der Kelheimer, der bis 1231 regierte, gründete im heutigen Niederbayern die Städte Landshut (1204), Straubing (1218) und Landau an der Isar (1224). Bayerns Kernlandschaft war das Land zwischen München und Straubing.

Die Gegend um Landshut war ihr Mittelpunkt. Das Herzogtum Bayern war noch kein geschlossenes Territorium. Viele selbständige Herrschaftsbezirke, meist Grafschaften und die Bistümer, entzogen sich noch dem Einfluss des Herzogs. Doch im Lauf der Zeit gingen die meisten der weltlichen Herrschaften im Herzogtum Bayern auf.

Jahrbuch Abt Hermann
Landshut um 1250
Die reichen Herzöge

"MCCIIII . . . Lvdwicus dux Bawariae castrum et oppidum in Lantshvt construere cepit" - im Jahr 1204 begann Ludwig, der Herzog von Bayern, Burg und Stadt in Landshut zu bauen. Diesem Eintrag des Geschichtsschreibers Hermann, Abt des Klosters Niederaltaich von 1242 bis 1273, in seinen Jahrbüchern zur Zeitgeschichte verdanken wir die Kenntnis über das Gründungsjahr der Stadt Landshut. Die Stadt entstand am Kreuzungspunkt mehrerer alter Straßen. Kurz zuvor war es zu einer Auseinandersetzung zwischen Herzog Ludwig und dem Bischof von Regensburg gekommen. Der Herzog zerstörte die dem Bischof gehörige "Straßburg" einige Kilometer isarabwärts, die möglicherweise bereits eine Brücke beschützte. Dann baute er Burg und Stadt Landshut an der Stelle, wo sich die Isar in zwei Arme teilt und mit zwei Brücken zu überqueren war. Am inneren Isararm entstand bei der Brücke ein dem Heiligen Geist geweihtes Spital. Darin konnten die Reisenden Rast machen. So bestand das frühe Landshut aus drei Siedlungskernen, die zunächst noch voneinander getrennt waren. Auf dem Berg lag die "Landeshut". Ihr zu Füßen, im Umkreis um die Vorläuferin der heutigen Martinskirche, siedelten sich Handwerker und Kleinkaufleute an. Es sollte sich daraus eine wehr- und steuerkräftige Bürgerschaft entwickeln. Auch musste sie die am herzoglichen Hof benötigten Güter liefern. Jenseits der beiden Isararme stiftete Ludmilla, die Gemahlin des Städtegründers, nach der Ermordung ihres Gatten das Zisterzienserinnenkloster Seligenthal.

Ludwig und Ludmilla hatten einen Sohn, Otto den Erlauchten. Dessen beide Söhne teilten im Jahr 1255 das Land: Ludwig der Strenge nahm das Oberland, Heinrich der Ältere das Unterland. Durch diese erste Teilung Bayerns wurde Landshut, das bisher Mittelpunkt des gesamten wittelsbachischen Herzogtums war, auf die Funktion einer Hauptstadt für Niederbayern beschränkt. Trotzdem erlebte die Stadt einen glanzvollen Aufstieg, der sie bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts an die Spitze aller altbayerischen Städte führte.
Schon im ersten Jahrhundert ihres Bestehens hatte sich die Stadt kräftig entwickelt. Die bürgerliche Altstadt reichte vom "Alten Judentor" bis zum "Spitaltor". Das Alte Judentor schloss die obere Altstadt dort ab, wo die Laubengänge enden. Nahe diesem Tor, am "Nahensteig", wohnten im Mittelalter die Juden, bis sie 1450 Herzog Ludwig der Reiche aus Stadt und Land vertrieb. Das Spitaltor verband einst die zwei gegenüberliegenden Häuser der unteren Altstadt, die stadteinwärts an die Spitalkirche und an das Spital angrenzen. Es bildete die nördliche Grenze der Stadt, seitdem die Altstadt im Zuge einer ersten Erweiterung noch im 13. Jahrhundert von der Steckengasse bis zum Spital verlängert worden war. 1771 wurde das Spitaltor abgebrochen.

Franz Högner: Stadttore
Dominikanerkloster
Franziskanerkloster
Münchner Tor
Blauer Turm
Martinskirche im romanischen Stil
Heiliggeistlirche
Zweibrückenstraße
Nikolakirche
Heiligblutkirche

Zur Isar hin bildeten die Ländgasse und das "Ländtor" den Abschluss. Die östliche Grenze der ältesten Stadt ist noch heute durch die mit Alt- und Neustadt in gleicher Richtung laufenden Quergäßchen ersichtlich. Schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts war auch die Neustadt als breiter, der Altstadt gleichlaufender Straßenzug angelegt worden.

Vor den Mauern östlich der Stadt, zwischen der Neustadt und dem Steilhang der Isar, entstanden zwei große Klöster der neuen, vornehmlich städtisch orientierten Orden. In der "Froschau" siedelten sich 1271 die Dominikaner an. 1280 schenkte Herzog Heinrich der Ältere den Franziskanern am Fuß des Hofbergs unterhalb der Burg einen großen Bauplatz. Auch dieses Kloster gedieh rasch unter der spendefreudigen Anteilnahme des herzoglichen Hofes und der Bürgerschaft.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verlängerte man die Altstadt nach Süden. Ein Stück außerhalb des "Alten Judentores" wurde das "Neue Judentor" erbaut, das später den Namen "Münchner Tor" erhielt. Es sperrte die aus München kommende Straße. Damit war der heutige Dreifaltigkeitsplatz in die Stadt einbezogen, und ihr Verteidigungsgürtel verschmolz mit jenem der Burg. Im Jahr 1338 wurde der östliche Stadtteil gegründet, die Freyung. In ihrer Mitte entstand die frühgotische Pfarrkirche St. Jodok. Der Name Freyung erinnert an die zehnjährige Steuerfreiheit, die der Herzog hier jedem Neusiedler gewährte. Die neuen Stadtteile wurden durch mehrere Straßen mit der Altstadt verbunden. Eine neue Stadtmauer, der ein künstlich angelegter Wassergraben vorgelagert war, schützte nun mit der Freyung auch das Dominikanerkloster und das Franziskanerkloster.

Eben zur selben Zeit, um das Jahr 1350, wurde noch der Bereich des heutigen Bischof-Sailer-Platzes in die Stadt einbezogen und durch zwei neue Tore geschützt: Ein Stück außerhalb des Spitalertores, hart am Ufer der Isar, entstand das "Innere Isartor", auch "Blauer Turm" geheißen; die heutige Bauhofstraße wurde kurz vor dem jetzigen Maxwehr durch das "Zerrertor" abgesperrt.

So war das 14. Jahrhundert entscheidend für die Entwicklung der Stadt. Die Bürger gelangten zu Wohlstand, ja zu Reichtum. Zog sich auch der innere Ausbau noch bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hin: Um das Jahr 1350 hatte die mittelalterliche Stadt ihren größten Umfang erreicht. Erst im 19. Jahrhundert ist die Stadt Landshut über die Grenzen hinausgewachsen, die ihr im Mittelalter gesetzt wurden. Der Stadtbrand von 1342 und der erste verheerende Ausbruch der Pest in den Jahren 1348/49 brachten einen schweren Rückschlag für die aufstrebende Stadt. Doch kaum hatten sich die Bürger von diesen Heimsuchungen erholt, ließen sie ihre alte romanische Martinskirche abtragen und die heutige Kirche beginnen. Als Meister Hans im Jahr 1432 starb, waren Altarraum und Langhaus schon weit gediehen. Der Turm wurde indes erst im Jahr 1444 gegründet und in den folgenden Jahrzehnten in die Höhe geführt. Andere Baumeister führten das Werk fort und um das Jahr 1500 war das überragende Bauwerk vollendet. Am unteren Ende der Altstadt erbaute Meister Hans als Gegenstück zur Martinskirche die Heilig-Geist-Spital-Kirche, ein herrliches Werk später Gotik. Neben der Jodokskirche entstand um 1460 das Franziskanerinnenkloster Heilig Kreuz.

Zwischen den beiden Isararmen hatten sich schon in früher Zeit Handwerker angesiedelt. Dieser Stadtteil "Zwischen den Brücken" war nicht in die Stadtbefestigung einbezogen, doch sorgte das "Äußere Isartor" dafür, dass des Nachts niemand über die Kleine Isar in die Zweibrückenstraße gelangen konnte. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erhielt dieser Stadtteil eine eigene Kirche, die Sebastianikirche. Ein Stück außerhalb der Stadt, hinter dem Kloster Seligenthal, trat damals ein gotischer Neubau an die Stelle der romanischen Vorortskirche St. Nikola. Auf dem Hofberg, hinter der Burg Trausnitz, baute man die Kirche Heilig Blut mit ihren zwei eigenartigen Rundtürmen. Die Burg Trausnitz und die Wirtschaftsgebäude der Vorburg erreichten den Umfang, den uns das Modell der Stadt Landshut aufzeigt, das der Straubinger Drechslermeister Jakob Sandner um das Jahr 1570 gefertigt hat. Die ganze Stadt war mit einer hohen Mauer umgeben. Acht Stadttore gewährten tagsüber Einlass.
So hatte der innere Ausbau der gotischen Stadt um das Jahr 1500 sein Ende gefunden. Eine der großartigsten mittelalterlichen Stadtanlagen in Deutschland war damit vollendet.

Mair von Landshut: Das Frauenhaus
Buchdrucker Weyssenburger
Schwedenkrieg 1634

Landshut war im späten Mittelalter eine gewerbereiche Stadt und eine Stadt des Kunsthandwerks. Zu ihren großen Künstlern zählen der Maler und Stecher "Mair von Landshut", der hier um 1500 tätig war, und der Hofmaler Hans Wertinger, der seit 1491 eine eigene Werkstatt unterhielt. Die größten aber waren der Baumeister Hans von Burghausen und der Bildhauer Hans Leinberger. Dieser begründete um 1510 eine Meisterwerkstätte in Landshut und arbeitete für viele Kirchen und für den herzoglichen Hof.

Das 14. Jahrhundert war die Zeit des bürgerlichen Wohlstands; das 15.Jahrhundert, das mit blutigen Auseinandersetzungen zwischen Bürgerschaft und Herzog in den Jahren 1408 und 1410 begann, wurde für Landshut unter den drei "reichen" Herzögen Heinrich, Ludwig und Georg zum Jahrhundert des fürstlichen und damit des landesweit ausstrahlenden Reichtums. Dieses Jahrhundert war für die Hauptstadt Niederbayerns eine Zeit wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs und großer Feste. Man hielt Turniere, Schützenfeste, Tanzfeste und prunkvolle Hochzeiten. Acht Tage lang dauerten die Feierlichkeiten, als sich Herzog Ludwig der Reiche im Jahr 1452 mit der Prinzessin Amalie von Sachsen vermählte. Noch viel glanzvoller verlief die Vermählung seines Sohnes Georg mit Hedwig, der Tochter des Königs Kasimir IV. von Polen, im Jahr 1475. Dies war die große "Landshuter Hochzeit", die für die Stadt Landshut seit 1903 Gegenstand eines großen historischen Dokumentarspiels bildet, das alle paar Jahre aufgeführt wird.
Doch die glanzvolle Zeit fand ein schreckliches Ende mit dem "Landshuter Erbfolgekriege, den Herzog Georg heraufbeschwor, weil er - entgegen bestehender Verträge - seine Tochter Elisabeth zur Erbin eingesetzt hatte. 1503 starb Herzog Georg der Reiche und mit ihm versank der Glanz Landshuts. Nur vorübergehend kehrte noch einmal eine fürstliche Hofhaltung zurück, als Herzog Ludwig X. seinem Bruder Wilhelm IV. das Recht der Mitregierung abtrotzte und 1516 nach Landshut zog. Fürstliche Hofhaltung bedeutete in erster Linie Förderung der Künste. Ludwig X. war ein Herzog - die Künste pflegte er wie ein König. Doch nur zwei Jahre lang durfte er sich der Pracht seiner Landshuter Stadtresidenz, dieses ersten Renaissancepalastes nördlich der Alpen, erfreuen. Im Jahr 1545 ist er gestorben. Seine Grabplatte, ein bedeutendes Kunstwerk nach Art des Eichstätter Bildhauers Loy Hering, deckt noch heute die Fürstengruft der Wittelsbacher im Kloster Seligenthal.

Burgbrand 1961
Burgbrand 1961
Hagrainer Tor
Jesuitenkloster

Bisher war Landshut Sitz der Fürsten, die über das Herzogtum Bayern-Landshut geboten. Fortan war es nur mehr Sitz einer Mittelbehörde im Sinn der heutigen Bezirksregierung, und dies nur mehr über das "Rentamt Landshut", zu dem im wesentlichen das niederbayerische Hügelland gehörte. Der östliche Teil Niederbayerns mit dem Bayerischen Wald gehörte zum "Rentamt Straubing". Das fürstliche Leben in der Burg Trausnitz war erloschen. Nur hin und wieder nahmen die Wittelsbacher noch Quartier in ihr, wenn sie auf Reisen waren. Der Sohn Herzog Albrechts V., Wilhelm V., der "Fromme", verbrachte von 1568 bis 1579 seine ersten Ehejahre auf der Trausnitz, bevor er in München seinem Vater in der Regierung des Landes folgte. Er ließ die Burg im Renaissancestil umgestalten, besonders reich den sogenannten "Fürstenbau", den der Brand am 21. Oktober 1961 in Schutt und Asche gelegt hat.

1610 rief Herzog Maximilian die Kapuziner nach Landshut. Der Rest ihres Klostergebäudes wurde vor kurzem abgebrochen. Im Jahr 1627 entstand vor dem Hagraintor, im Osten der Stadt, das kleine Loretokloster der Kapuzinerinnen, das seit 1835 von Franziskanern bewohnt wird. Im Jahr 1629 zeichnete Kurfürst Maximilian seine Geburtsstadt dadurch aus, dass er sie zum Sitz eines neuen Jesuitenkollegs bestimmte. Die Jesuiten rissen in der oberen Neustadt gut zwei Dutzend mittelalterliche Häuser nieder und führten ihr großes Kloster auf. Dabei fiel auch die alte herzogliche Münze der Spitzhacke zum Opfer. An ihrer Stelle entstand die prächtige Jesuitenkirche, ein Renaissancebau nach dem Vorbild der Münchner Jesuitenkirche St. Michael. In der unteren Neustadt gründete Maximilians Sohn, Kurfürst Ferdinand Maria, 1668 das jüngste Kloster der Stadt, das Schulkloster der Ursulinen. Damit war die bürgerliche und herzogliche Stadt auch eine geistliche Stadt geworden. Zur Verherrlichung des Glaubens veranstalteten die Landshuter viele Jahrzehnte hindurch glanzvolle Fronleichnamsprozessionen. Neu gebaut wurde während der Barockzeit nur wenig, denn die Zahl der Einwohner war eher zurückgegangen als angestiegen. Doch manch altes Bauwerk wurde in die Formen der neuen Zeit gehüllt. Die vornehmsten Werke der Rokokozeit begegnen uns mit den Ausstattungen der Abteikirche Seligenthal, der Dominikanerkirche und der Theklakapelle. Auch manches gotische Bürgerhaus legte sich damals eine neue Fassade zu. Der bedeutendste einheimische Künstler dieser Zeit war der Bildhauer Christian Jorhan, der 1727 als Sohn des Bildhauers Wenzel Jorhan in Griesbach im Rottal geboren wurde, 1755 in Landshut heiratete und hier 1804 gestorben ist.

Nachdem das Jesuitenkloster schon 1773 aufgehoben worden war, traf dieses Schicksal in den Jahren 1802 und 1803 auch die verbliebenen sieben Klöster der Stadt, desgleichen das Kollegiatstift von St. Martin und Kastulus. Drei Klöster wurden später wieder errichtet: das Ursulinenkloster (1826), die Zisterzienserinnenabtei Seligenthal (1835) und das Franziskanerkloster (1835), letzteres im Gebäude des alten Kapuzinerinnenklosters Loreto. Der Aufschwung, den die Stadt seit dem Jahr 1800 durch die Verlegung der Universität von Ingolstadt nach Landshut erfahren hat, währte nur 26 Jahre. Während dieser Zeit, der Hochblüte der Romantik, war Landshut ein Mittelpunkt des geistigen Lebens. Berühmte Gelehrte entfalteten ein fruchtbares Wirken und verbreiteten den Ruf der Stadt.
Doch schon 1826 wurde die Universität nach München verlegt. Als Ersatz erhielt Landshut ein Appellationsgericht und ein Lyceum, eine Art Hochschule. Das Lyceum befand sich ursprünglich in München, wurde 1826 in Landshut dem (heutigen Hans-Carossa-) Gymnasium angeschlossen und 1834 nach Freising verlegt, wo es zur Grundlage der Philosophisch-Theologischen Hochschule wurde. Zur Unterstützung verarmter Bürger wurde der "Bürgerverein" gegründet, der für das gesellschaftliche Leben große Bedeutung erlangte. Auch das Militär spielte eine gewichtige Rolle, denn Landshut war Garnison. Trotzdem blieb Landshut eine stille Provinzstadt, auch nachdem sie 1839 zum Sitz der Regierung von Niederbayern bestimmt worden war.

Bahnhof an der Regensburger Straße
Bahnhof um 1900
Bahnhof um 1900
Wartesaal

Allmählich hielt das Maschinenzeitalter auch in Landshut seinen Einzug. 1858 wurde die Eisenbahn von München nach Landshut in Betrieb genommen. Der alte Bahnhof lag an der heutigen Regensburger Straße; er war ein Sackbahnhof. In seinem Verwaltungsgebäude ist heute das Straßenbauamt untergebracht. Im Jahr 1880 wurde der Bahnhof an seinen jetzigen Platz verlegt. Da er 1945 durch Fliegerbomben zerstört wurde, musste er nach dem letzten Krieg neu erbaut werden.

Eine Gasfabrik wurde im Jahr 1858 errichtet, und zwar auf dem Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters. Nach und nach gesellten sich all die Neuerungen und Einrichtungen hinzu, die das technische Zeitalter unseren Städten beschert hat, meist ohne die nötige Rücksicht auf das Siedlungsbild, das in Jahrhunderten zu großer Harmonie gereift war. So haben die letzten 150 Jahre auch der Stadt Landshut viel von ihrer alten Schönheit genommen.

Die Industriebetriebe, die das Maschinenzeitalter in Landshut hervorgebracht hat, verarbeiten in der Hauptsache landwirtschaftliche Erzeugnisse. Zu den älteren Industriebetrieben haben sich in den Jahren nach dem letzten Krieg eine Anzahl weiterer Unternehmen gesellt, vor allem Werke der Elektroindustrie und neuerdings der Autoindustrie. Zur Ansiedlung von Industriebetrieben hat die Stadt in der Nähe des Bahnhofs ein großes Gebiet, das "Industriegelände", erschlossen. Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts, besonders aber seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dehnt sich die Stadt nach allen Seiten hin aus. In weitem Bereich entstanden rings um ihren mittelalterlichen Kern neue Wohnviertel. Unter den vielen neuen Baukörpern befinden sich auch zahlreiche Hochhäuser. Sie haben die Silhouette der Stadt erheblich verändert.