DeutschEnglishFrancaisItalianPolishportugiesischRomanianRussianEspaniaTurkeyArabic
SchreibenSeite drucken

Spitaler Tor

Das Spitaler Tor, auch Spittelturm oder Älteres Inneres Isartor geheißen, war der Riese unter den Stadttoren, überragte doch der First seines ungewöhnlich steil hochgezogenen Walmdaches jenen der um zweihundert Jahre jüngeren Spitalkirche zum Heiligen Geist um ein Beträchtliches.

Wohl mit voller Absicht schloss man das Heilig-Geist-Spital aus dem Bereich der ältesten Befestigungsanlagen aus; Spitäler hatten ja allen Menschen, Freund und Feind, in gleicher Weise zu dienen und so konnte es wohl des Schutzes entbehren. So verband das uralte Spitaltor - es mochte um das Jahr 1235 entstanden sein - die beiden Häuser, welche stadteinwärts nächst dem Spital und der Heilig-Geist-Kirche befinden (Nr. 98 und 392). Beiderseitige Anbauten stellten die Verbindung mit diesen Häusern her und gewährten dem Fußgänger Durchlass. Die Hauptdurchfahrt aber führte wie bei allen Stadttoren durch den Torturm selbst; wie diejenige des Blauen Turms war sie spitzbogig. Nicht allzu lange sollte das Spitaler Tor seine ursprüngliche Bedeutung bewahren; als im Jahrhundert nach seiner Errichtung das Jüngere Isartor, der Blaue Turm, und zuletzt auch noch das Äußere Isartor vorgelagert wurden, da war es seiner alten Rolle vollends enthoben. Für die Verteidigung spielte es späterhin kaum mehr eine Rolle. Doch das Spitaler Tor entging dem Schicksal seines südlichen Gegenstücks, des Älteren Judentores, das von Meister Sandner nicht mehr als bestehend angetroffen wurde.

Von den acht Stadttoren allerdings, die Jakob Sandner in dem hölzernen Stadtmodell nachgebildet hat, war das Spitaler Tor jenes, welches als Erstes dem Abbruch anheimfiel: zwischen 1750 und 1780 wurde es wegen Baufälligkeit abgebrochen. Man hatte ihm wohl schon lange zuvor nicht mehr die zur Erhaltung nötige Pflege angedeihen lassen. Bedeutete der Abbruch eines jeden der alten Tore eine empfindliche Beeinträchtigung des Stadtbildes, so brachte die Entfernung des Spitaler Tors auch einen wohlbemessenen Vorteil mit sich: Erst jetzt war der Blick auf die schöne Vorderfront der Heilig-Geist-Kirche, die das Bild der unteren Altstadt so sehr ziert, freigegeben. Freilich, dieser Vorteil trug vielleicht mit dazu bei, die Landshuter zum Abbruch weiterer Stadttore zu veranlassen. Doch in keinem Falle mehr wog der Gewinn den Schaden auch nur annähernd auf, den das Siedlungsbild durch diese Eingriffe erleiden musste.