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Nebentore

Was an Häusern und Kirchen außerhalb dieses von den acht Haupttoren geschützten Stadtbereichs lag, bezog Meister Sandner nicht mehr in sein Stadtmodell ein. So kam auch das Kloster Seligenthal bei ihm nicht zur Darstellung. Seligenthal war jahrhundertelang von der Stadt völlig getrennt und besaß eine eigene, geschlossene Befestigungsanlage. Wie uns alte Ansichten zeigen, war der Klosterbereich allseits von hohen Mauern umgeben. Ehe die vormals niedrigen, stadtzugewandten Gebäudeteile nach der Wiedererrichtung des Klosters im 19. Jahrhundert aufgestockt wurden, hatte der Kloster-Haupteingang am Bismarckplatz das Aussehen eines den benachbarten Stadttoren ähnlichen Torturms.

Nördlich des fest ummauerten Stadtgebiets sicherten in alter Zeit einige Vorstadttore die beiden wichtigen Straßenzüge. Ungefähr in der Gegend der Weiß'schen Tabakfabrik sperrte das Lehbühler Tor die Regensburger Straße. In der Gegend zwischen der Nikolakirche und dem heutigen Hauptzollamt, nahe dem alten Hochgericht, befand sich das Altdorfer Tor.

Den Straßenzug Nikolastraße - Karlstraße sicherten zwei weitere Nebentore, das Pfettrachtor und das Gredtor; im Gegensatz zu allen übrigen Stadttoren waren diese beiden Tore aus Quadersteinen zusammengefügt.
Das Pfettrachtor sperrte die Nikolastraße vor der Einmündung des Rennwegs; das Gredtor befand sich bei der heutigen Maschinenfabrik Sommer nächst der Meyermühle.

So musste der Reisende, welcher der Stadt von Norden sich näherte, erst drei Vorstadttore, das Altdorfer, Pfettrach- und Gredtor und dann drei Haupttore, das Äußere und das Innere Isartor und den Spittelturm passieren, ehe er der Altstadt ansichtig wurde. Freilich waren all diese Vorstadttore nicht sehr viel mehr als straßenüberspannende Mauerbögen, deren Türflügel jeden Abend fest verrammt wurden.

Von Osten her konnte man auf zweierlei Wegen in die Stadt gelangen.
Der Hauptverkehr nahm seinen Weg über die Vorläuferin der heutigen Luitpoldbrücke und durch das Ländtor. Der biedere Landmann aber, der auf dem Schweinemarkt, der heutigen Fischergasse, zu Geld kommen wollte, bewegte sich mitsamt seinem Inventarium über den Sausteg und durch das Hammertor, das der Volksmund ganz einfach Sautörl benannte. Es war ein besonders wichtiges Nebentor, gab es doch den Weg in den Stadtteil Zwischenbrücken frei. Deshalb war es früher nachtsüber von einer Schildwache besetzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war aber auch das Sautörl schon verschwunden.