Münchner Tor
Über ein halbes Jahrtausend lang, vom Beginn des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1874, wachte das Münchner Tor über jedermann, der, von Süden kommend, Zutritt in die Stadt begehrte. Dem Kaiser gewährte es Einlass wie auch dem Bettler - welch erhebendes Gefühl verschaffte es beiden, da sie aus der erdrückenden Enge des niederen Torbogens hinaustraten in den herrlich weiten Platz und nach eines Augenblickes Dunkelheit plötzlich des Martinsmünsters ansichtig wurden! Seit achtzig Jahren, seit einem langen Menschenalter erst, mahnt den Fremden nichts mehr daran, dass hier ein zusammengehöriges Gemeinwesen beginnt - eine enge Straßenstelle, dem Verkehr der Gegenwart nach wie vor ein Hemmnis, ist der unserem Zeitalter gemäße Einlass in eine alte Stadt.
Noch kündet der "chunigin turm", der Rundturm an der Straße hinter dem Hirschenwirt, von den langen Jahrzehnten, die schon verstrichen waren seit der Gründung von Burg und Stadt, ehe das Münchner Tor entstand. Der Dreifaltigkeitsplatz wurde ja erst in die Stadt einbezogen, als um 1300 - oder 1320 Burg und Stadt sich vereinten.
Die älteste Südgrenze war das Alte Judentor, das schon früh wieder aus dem Stadtbild verschwunden ist. Das Münchner Tor aber führte deshalb auch den Namen Jüngeres Judentor; in ältester Zeit wurde es auch Tor gen Achdorf, Achdorfer Tor genannt. War es nicht alt genug, um sich der Namen mehrere beizulegen? Unseres Herren Tor, Herrgottstor hieß es denn auch, nachdem Herzog Ludwig der Reiche im Jahre 1450, dem ersten seiner Regierungszeit, die Juden aus der Stadt vertrieben und ihre Synagoge in Unseres Heirren Kirche verwandelt hatte. Schon um 1410 hatte Herzog Ludwigs Vater Heinrich nach der blutig unterdrückten Verschwörung der Bürger sich das Tor gen Achdorf übergeben lassen; da bei diesem Anlass auch von einem besonderen Judentor die Rede war, so darf man hieraus schließen, dass das ältere Judentor zu jener Zeit noch bestanden hat.
Seit dem 18. Jahrhundert zierte die Außenseite des Münchner Tores ein aufgemaltes Stadtwappen. Aus dem Jahr 1785 wird uns berichtet, dass damals vor dem Tor an einer Schranke der Torsteher stand, der den Aufschlag einzunehmen hatte.
Im Tor selbst erhob der Torwart das Sperrgeld und in den Räumen des dreigeschossigen Turms befand sich die Wachstube für das Bürgermilitär. Von den Ansatzpunkten des Walmdachs grüßten vier Ecktürmchen in die Stadt und in die Ferne. Für ein schlechtes Andenken haben jene gesorgt, welche dieses Tor, einen der schönsten Wehrbauten unserer Stadt, vom Erdboden vertilgen ließen. Wie von Reue gepackt, entfuhr ihnen nach dieser üblen Tat, das Bild der oberen Altstadt sei durch die Niederlegung des Münchner Tores arg verunziert worden (Ratschronik, Seite 88).


















