Ländtor
Wie das Alte Judentor in der oberen Altstadt und das Spitaler Tor in der unteren Altstadt entstand auch das Ländtor im Zuge der ersten Stadterweiterung um die Mitte des 13. Jahrhunderts, als der Stadtkern rings um die romanische Vorläuferin der Martinskirche der Isar entgegenwuchs. Und seit den ältesten Zeiten erfreute das Ländtor sich fürstlicher Nachbarschaft: Unter seinem Schutz erbauten die Herzöge der ersten Jahrhunderte ihre Stadtresidenz, das Harnischhaus. Besonders die Herzöge Ludwig und Georg nahmen oft Quartier darin; in ihm bahrte man Herzog Ludwig den Reichen auf, damit seine Landshuter Abschied nehmen konnten von ihrem Fürsten ...
Sechs von den acht Stadttoren waren bloße Tortürme, nur das Burghauser Tor und das Ländtor bestanden aus einem Torturm und einem vorgelagerten Zwinger und nur von diesen beiden Toren haben sich bis heute bauliche Reste erhalten: von ersterem das Untergeschoss des Turmes, von letzterem das Außentor des Zwingers. Bis vor hundert Jahren verstand man unter dem Ländtor zunächst jenen Torturm, der die Straße ein paar Meter stadteinwärts des erhaltenen Vorbaues absperrte, an Höhe gut das Zweifache davon erreichte und dem Feind mit seinen fünf gedrungenen Schießscharten im Mauerwerk ähnlich wie das Hagrainer Tor warnend und abweisend entgegendrohte.
Der Torturm des Ländtores war eingefügt in die isarwärtige Häuserflucht der Ländgasse; die Einmündung der Schönfüßlgasse - der heutigen Theaterstraße - in die Ländgasse ließ er frei, so dass sich die Gefährte vom Torturm unbehindert von der oberen Ländgasse durch den Torbogen des Harnischhauses hindurch in die mittlere Länd, aber auch vom Kreuzungspunkt aus stadtein- und auswärts fortbewegen konnten. Bis zu Ende des 19. Jahrhunderts war das Isarufer vor dem Ländtor der Umschlagplatz für ungezählte Floßfrachten und noch im Jahr 1834 erließ der Stadtrat eine neue Ländeordnung für die vielen mit Kalk, Gips, Brennholz, Brettern und anderen Baumaterialien beladenen Flöße aus dem bayerischen Gebirgsland.
Als man im Jahre 1852 an die Erweiterung und Kanalisierung der ehemals sehr engen Theaterstraße ging, wurde der Torturm mitsamt dem Zwinger abgebrochen. Nur das Tor des Zwingers blieb erhalten. Wenige Jahrzehnte zuvor, während der Napoleonischen Kriege, hatte der Turm noch als wichtiger Verteidigungsstützpunkt gedient; eine Gruppe von Scharfschützen verwehrte dem Feind den Zugang. Doch als ihnen die Franzosen nach Bezwingung der Isartore von der Altstadt her in den Rücken fielen, mussten sie ihre Stellung aufgeben und die Alte Bergstraße hinan flüchten - geschehen am 7. Juli 1800. Nach der Schlacht bei Landshut vom 21. April 1809 aber nahm Kaiser Napoleon selbst den Weg durch das Ländtor in die Stadt, um in der Freyung die Parade abzunehmen und in der Trausnitz (Anmerkung der Redaktion: oder Residenz) zu übernachten, anderntags aber zur Schlacht bei Eggmühl aufzubrechen. Die Landshuter sollen dem Kaiser sehr kühl begegnet sein ...


































