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Kapuzinertor

Die anschaulichste Beschreibung der Lage dieses Torturms ist wohl der Bericht jenes Stadtchronisten, der uns erzählt, von den Stufen der Jesuitenkirche aus habe man das Tor noch gesehen - ähnlich wohl, wie sich heute von der gleichen Stelle aus das neue Kraftwerk an der Isar als endgültiger baulicher Abschluss der Neustadt kundgibt. Es lag in der schnurgeraden Fortsetzung der Neustadt vor dem Maxwehr und überspannte die Straße etwa an der Stelle, an welcher sich früher die Einfahrt in das Gaswerk befand. Als man 1926 einen Graben über die Straße führte, um ein Leitungsrohr darin zu verlegen, stieß man auf die Grundmauern dieses verschwundenen Torturms; die Stärke der gut erhaltenen Ziegelmauern betrug zwei Meter. Von allen Tortürmen der Stadt war das Kapuzinertor, wenngleich wie alle anderen Wehrtürme von höchstem architektonischem Reiz und ansehnlicher Höhe, das einfachste. Es entsprach hierin ganz dem baulichen Charakter des gelegentlich der fünften Stadterweiterung im 14. Jahrhundert neu angegliederten Stadtviertels jenseits des unteren Neustadttores. Das Sandner-Modell zeigt es uns als nahezu quadratischen Turm mit sehr spitzem Helmdach und einer sehr engen Durchfahrt. Fast fünfhundert Jahre lang, von der Mitte des 14. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts, waren dem Schutze des Kapuzinertores die zahlreichen wichtigen Lagerhäuser "hinter dem Hl. Geist" anbefohlen: die städtischen Salzstädel, die Braustädel und Malztennen ebenso wie auch das 1495 gestiftete Blatternhaus zum heiligen Rochus, dessen kleine gotische Kapelle heute noch - verstümmelt und vergessen zwar - ihren Stifter, den edlen Walther vom Feld, ehrt. Vor der Gründung des Kapuzinerklosters um 1620 hieß das Tor "Zerrertor", späterhin auch Schönbrunner Tor. Des Leuchingers Turm heißt es in den ältesten Schriftstücken auch; mag sein, dass auch der Name Zerrertor wie jener von einem Eigennamen abgeleitet ist, da man auch Zerer-, Zöhrer- und Zierertor schrieb.

Vielleicht aber kommt der Name von dem Wort Zehrgaden, womit man früher ein Lebensmittel-Lager bezeichnete und deren sich in nächster Nähe des Tores mehrere befunden haben. Nach dem Abbruch des Tores glaubte man, es habe auch den Namen "Ramtörl" geführt. Doch das Ramtörl war eine eigene Tür durch die Stadtmauer, die schon um 1361 auf das Betreiben Landshuter Wollwirker etwas unterhalb des Zerrertores, etwa am Eingang in den Viehmarktplatz, errichtet worden war. Denn hier, zwischen der Stadtmauer und der Isar, dem späteren Kapuziner- und Bauhofgelände, waren die Rahmen der Wollwirker und Tuchmacher ausgebreitet, zu denen ihnen das Ramtörl bequemen Zutritt verschaffte. Nachdem das Kapuzinertor ähnlich wie der Blaue Turm bei den Kämpfen zwischen den Österreichern und den Franzosen im Jahr 1809 schweren Schaden erlitten hatte, verschwand es aus dem Stadtbild. Auf dem Stadtplan von 1811 ist es nicht mehr eingezeichnet.