Inneres Isartor
Das schönste aller Stadttore und nächst dem Münchner Tor gewiss auch das wichtigste war das Innere Isartor, der "Blaue Turm". Einen Steinwurf nur entfernt vom Spittelturm bezog es seit der fünften Stadterweiterung nunmehr auch das Spital in die Befestigungsanlagen mit ein. Es entstand um die nämliche Zeit wie das ein Stück isarabwärts gelegene Kapuzinertor, wohl um die Mitte des 14. Jahrhunderts, ein halbes Jahrhundert ehe der Heilig-Geist-Kirche die Grundfesten gegraben wurden. Und erst ein weiteres Menschenalter später schloss sich der Mauerkranz zwischen den beiden neuen Toren mit den sieben zinnenbekrönten Wehrtürmen. Der hölzerne Isarsteg hatte sich gehörig zu verjüngen, ehe er in die enge, spitzbogige Durchfahrt des Inneren Isartores einmünden konnte. Das Spital, mit dem das Tor baulich vereinigt war, wies zu Sandners Zeiten noch wenig Ähnlichkeit mit dem heutigen geschlossenen Bautrakt auf, den erst die großherzige Stiftung des Jesuitenpaters Ferdinand Orban vom Jahr 1725 ermöglichte.
Das alte Spital bestand aus mehreren spitzgiebeligen, zur Isar parallel verlaufenden Häuserzeilen, an deren isarwärtige der Blaue Turm sich anlehnte. Das Spital selbst und seine noch heute hart am Flusse liegenden Nebengebäude ersetzten ein Stück weit stromaufwärts eine eigene Mauer, so dass das Tor nur auf der anderen Seite zum Ansatzpunkt der hohen Stadtmauer wurde. Ein Durchgangstor unterhalb des Torturms gab den Weg frei zur "Unteren Länd", dem Anlegeplatz für die Flößer zwischen dem Blauen Turm und dem Kapuzinertor. Freilich, bei aller Schönheit seiner baulichen Formen, seiner beiden zierlichen Erker an der Isarseite, mag sich der Blaue Turm bei vielen Landshutern dennoch keiner besonderen Beliebtheit erfreut haben, und gewiss nahm manch einer, der ihm schon von ferne misstraute, lieber den Umweg durchs Zerrer- oder durchs Ländtor in Kauf: Diente doch der Blaue Turm jahrhundertelang als Gefängnis zur Verbüßung von Freiheitsstrafen ohne Ehrminderung, für die kleineren, früher streng geahndeten Vergehen, deren sich hin und wieder auch ein Bürger besseren Standes schuldig machte. Auch der Blaue Turm erlebte seine aufregendsten Tage wohl zu Anfang des 19. Jahrhunderts. "Jetzt nahmen die Franzosen ihre Zuflucht zum Einhauen und Einschießen dieses Tores, und durch fünf Kanonenschüsse erzwangen sie die Öffnung" schreibt Meidinger in seinem Bericht über die Kriegsereignisse in Landshut vom 7. Juli des Jahres 1800. Und nach der Schlacht bei Landshut vom 21. April 1809 war er durch Kugeln und Kartätschen derart übel zugerichtet, dass er noch im selben Jahr abgebrochen werden musste. Nur das Torwarthäuschen neben dem Turm blieb vorderhand noch stehen, wenn auch "in böswürdigstem Zustand durch die Kanonade verursacht". Da aber das Spitaler Tor schon seit Jahrzehnten verschwunden war, blieb die untere Altstadt fortan ohne Tordurchfahrt.
















