Burghauser Tor, Hutertor
Als ein Jahrhundert nach der Stadtgründung Burg und Stadt zu einer Einheit verwuchsen, wurde das Alte Judentor allmählich überflüssig. Zwei neue Tore, das Jüngere Judentor und das Hutertor, gaben nunmehr den Weg in die Stadt frei. Durch jenes führte die Münchnerstraße, durch dieses die Burghauserstraße in die Stadt, weshalb man den beiden Toren auch die Namen Münchner Tor und Burghauser Tor beilegte. Als das trausnitznächste Stadttor hieß das Burghauser Tor aber auch Trausnitzer Tor. Noch heute ist es fest verbunden mit der steilen Stadtmauer, die von der Burg herabführt und sich bergabwärts zum Münchner Tor fortsetzt.
Ein Glück, dass der Verkehr im technischen Zeitalter Steigungen, wie sie ehedem von Ochsen- und Pferdegespannen überwunden werden mussten, lieber meidet und die Anlage der Neuen Bergstraße erheischte. So blieb wenigstens ein einziger von all den acht Tortürmen unserer Stadt, wenn auch arg verstümmelt, erhalten. Im Jahre 1800 - so erzählt eine 1910 angebrachte Inschrift - bekam das Tor die jetzige Gestalt: Der schöne, spitze Turmhelm mitsamt dem dritten Geschoss wurde der Spitzhacke geopfert, dem zweiten Geschoss setzte man das jetzige Dach auf. Der feindwärts vorgelagerte Zwinger wurde zur nämlichen Zeit seiner Bedachung entledigt, doch zum Glück beließ man wenigstens seine Seitenmauer, so dass man sich noch heute ein recht anschauliches Bild vom Aussehen eines mittelalterlichen Torzwingers machen kann. Die erwähnte Torinschrift, deren Angabe des Jahres 1209 als Zeit der Erbauung nicht zutreffen kann, berichtet weiter, das Tor sei 1447 bemalt worden.
Im Jahre 1910 wurden diese Freskomalereien, die man erst einige Jahre vorher gelegentlich einer Restaurierung wieder entdeckt hatte, durch einen Kunstmaler erneuert: Das Giebelfeld unter dem Dach zierte eine Golgathagruppe, darunter befand sich das Herzogswappen und seitlich daneben das Stadt- und das bayerische Rautenwappen. Leider sind diese Fresken seither wiederum derart verwittert, dass sie heute kaum mehr erkennbar sind.
Zur Zeit der Napoleonischen Kriege spielte das Burghauser Tor eine gewichtige Rolle. Als die Österreicher am 7. Juli des Kriegssommers 1800 von den Franzosen zur Stadt hinausgedrängt wurden, flohen sie, nur mehr mit zwei Kanonen bewaffnet, um den Rückzug zu decken, die alte Bergstraße hinan. "Unglücklicherweise traf es sich", berichtet Meidinger, "dass ein kaiserlicher Marketender gerade den engen Weg außerhalb des Hutertores den steilen Hofberg hinauffuhr als die Kaiserlichen obige zwei Kanonen retten wollten; und da sie auf keiner Seite vorüberfahren, und der Marketender nicht schneller fahren konnte, so wurden diese zwei Kanonen nebst drei Husaren und einem Wachtmeister erbeutet und gefangen genommen." - Während dieser Kämpfe erlitt der Torturm wohl erheblichen Schaden, so dass er noch im gleichen Jahr abgetragen wurde.






















