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Äußeres Isartor

Wiewohl der Stadtteil zwischen den Brücken ob seines natürlichen Schutzes erst spät ein eigenes Stadttor erhielt, ist er doch ein altes Siedlungsgebiet. Denn vom Dreifaltigkeitsplatz bis zum jenseitigen Ufer der kleinen Isar waren seit je die beiden Überlandstraßen vereinigt und so siedelten sich zwischen dem Spital und dem Kloster Seligenthal beiderseits der verkehrsreichen Straße Handwerker an, um den Reisenden dienstbar zu sein. So wuchsen die Häuser auf der Flussinsel bald zu einem kleinen Gemeinwesen zusammen, dem die natürliche Abtrennung vom Stadtkern ein ganz besonderes Gepräge gab. Gleichsam als Krönung dieser Entwicklung erhielt es gegen Ende des 15. Jahrhunderts, zur Zeit Herzog Georgs des Reichen, eine eigene Kirche und ein eigenes Stadttor, das Äußere Isartor oder "Tor bei St. Sebastian", wie es auch genannt wurde. Die Kirche ist um 1490 entstanden; 1491 errichtete Herzog Georg in ihr eine Schützenbruderschaft zu Ehren des Stadtpatrons.

Das Tor aber, das nicht weit von der Kirche entfernt hart am Ufer stand, wurde 1494 erbaut. Doch mitten unter der friedlichen Arbeit wurden die Einwohner von einer verheerenden Pest heimgesucht, die sich bis ins nächste Jahr hinzog und über dreitausend Menschen forderte. Fast alle Bewohner flüchteten sich aufs Land, mit ihnen Herzog Georg, und von den in der Stadt verbliebenen Bürgern sollen nur 93 von der Pest und dem Tode verschont worden sein.

Das Äußere Isartor war ein sehr schöner, zweigeschossiger Torturm mit einer rundbogig gewölbten Hauptdurchfahrt und einem seitlichen Durchgang für die Fußgänger. Zwei Ecktürme des mit "Preißen und Hacken" gedeckten Helmdachs grüßten zum Kloster Seligenthal hinüber und zu jenen Bürgern, die eine zeitlang der Stadt verwiesen, "vors Kloster gesetzt" wurden. Das Tor stand so nahe an der Isar, dass jedermann den Weg durch einen der beiden Torbögen nehmen musste. Ein seitliches Ausbiegen war unmöglich.
Dies kam der Schutzwirkung des Torturms sehr zustatten, denn eines festen Mauerkranzes musste die Vorstadt Zwischenbrücken auch weiterhin entbehren. Stattdessen lehnte sich zu beiden Seiten des Tores eine Anzahl von Häusern an. Flussaufwärts wachte noch das Hammertor, das Sautörl, darüber, dass kein Unbefugter Zutritt erhielt. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Äußere Isartor das einzige Tor am nördlichen Stadtausgang, denn das Spitaler Tor und das Innere Isartor waren schon viel früher abgebrochen worden. 359 Jahre nach seiner Erbauung beschloss man seine Entfernung: "Am 23. April wurde der Abbruch und die Entfernung des äußeren, die Vorstadt Zwischenbrücken abschließenden, hart an der Isar gelegenen Tores beschlossen ..." heißt es in der Ratschronik unter dem Jahr 1853.