DeutschEnglishFrancaisItalianPolishportugiesischRomanianRussianEspaniaTurkeyArabic
SchreibenSeite drucken

Landshut um 1950

1948 Landshut von Osten

Ölgemälde von Hugo Högner

Als Goldschmiedemeister hat Hugo Högner Werke geschaffen, die den vorzüglichsten Erzeugnissen dieser hohen Kunst zugerechnet werden müssen. Als Maler hat er 1980 mit dem Bildband "Hugo Högner - ein Maler" eine Auswahl seiner Gemälde dargeboten. Darin erzählt er über sein Leben: "1910, noch im tiefen, echten Frieden, kam ich in Landshut in Niederbayern als letzter von drei Buben zur Welt. Heute noch schlafe ich in dem Zimmer, in dem ich geboren wurde, und wenn ich Glück habe, werde ich auch dort sterben. Meine früheste Erinnerung ist, dass wir zu Hause am Weihnachtsabend drei Christbäume hatten - die Größe dem Alter entsprechend - ich einen kleinen auf einem Christbaumständer, der sich drehte und Musik machte. Ich war damals zweieinhalb Jahre alt. Kurz darauf ist mein zweitältester Bruder gestorben, und es gab von nun an nur noch zwei Christbäume. Dann, ein paar Jahre später, kam ich zur Schule, die mir nie angenehm war, weil sie mir viel von meiner Freiheit nahm. In der Volksschule ging es; aber in der Oberrealschule machte ich den Professoren und die Professoren mir nur Kummer. Nun, wir haben uns auch bald getrennt. Ich kam ins elterliche Geschäft und erlernte das Gold- und Silberschmiedehandwerk. Ich hatte kein schlechtes Vorbild, denn auch Albrecht Dürer lernte bei seinem Vater als Goldschmied. Mein um sieben Jahre älterer Bruder war zu dieser Zeit schon an der Akademie in München, um Maler zu werden, und ich im Alter von 16 Jahren fing auch an, mit dem Malkasten meines Bruders in die Landschaft zu gehen. Viel habe ich meinem Bruder zu danken für die strengen Kritiken, die mir oft fast den Mut nahmen, aber auch mein Bemühen förderten. Mit 19 Jahren kam dann auch ich zur Akademie für angewandte Kunst nach München. Viel war ich während dieser Zeit in den Museen. Jahre später besuchte ich auch die Sommerakademie von Oskar Kokoschka in Salzburg. So ging ich meinen Weg zweigleisig weiter als Maler und Goldschmied. In unserem Hause waren oft Künstler verschiedener Art zu Besuch, und meine und meines Bruders Beschäftigung war von Jugend an die mit Kunst und Kunsthandwerk. Dieses rundete unser Kunstwissen allgemein ab. Auch die Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits waren Kunstschaffende. Das Wissen um das große Können der alten Meister stand mir in meinem Streben mahnend zur Seite, mich ernst und ehrlich zu bemühen und nicht mit Effekthaschereien mehr vorzutäuschen, als ich bin und kann. Während all dieser Beschäftigungen mit Goldschmieden, Malen, Kunstsammeln, Reisen und Lesen bin ich alt geworden, und immer noch ist ein Berg vor mir, auf dem ich weitersteigen will. Viele Bilder will ich noch malen, die noch unklar in mir sind - nicht nur zu meiner Freude, sondern auch, um jetzt und später andere Menschen zu erfreuen. Wie arm wären wir ohne die, welche uns das viele Schöne an Kunst in der Welt hinterlassen haben! Wenn ich nun erklären soll, was Kunst ist, wo Kunst anfangt und wo sie aufhört, so bekenne ich, es nicht klar sagen zu können. Es ist aber von viel gescheiteren Leuten darüber viel geschrieben worden; eine kurze, klare Definition, die nicht subjektiv wäre, kenne ich jedoch auch von diesen nicht. Ich weiß nur: Wer etwas vom Wein verstehen will, muss jeden Tag ein Glas trinken. Wer etwas von Kunst verstehen will, muss sich jeden Tag kürzer oder länger mit Kunst beschäftigen. Es gäbe heute dazu mehr Gelegenheiten denn je: noch nie hat es so viele Kunstbücher gegeben, noch nie wurden so viele Kunstausstellungen geboten und besucht. Es ist aber auch noch nie - gleich der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel - die Sprache der Kunst so vielartig gewesen wie heute. Doch nur keine amtliche Begrenzung einer Kunstauffassung! Wie harmlos sind Künstler im Vergleich zu Parteileuten und Politikern! Wegen verschiedener Kunstauffassungen hat es noch keinen Krieg gegeben."

1949 Landshut von Südwesten

Ölgemälde von Willi Geiger

Der Maler und Graphiker Willi Geiger kam 1878 in Schönbrunn bei Landshut als Sohn eines Oberlehrers zur Welt. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule und des Polytechnikums in München war er von 1923 bis 1925 Student in der Malklasse von Franz v. Stuck an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Der Graf-Schack-Preis ermöglichte ihm einen zweijährigen Aufenthalt in Italien und Spanien. 1928 wurde Willi Geiger an die Leipziger Akademie berufen.

Nachdem er 1933 aus dem Staatsdienst entlassen worden war, zog sich der Künstler in sein Heim in Feldwies am Chiemsee zurück und war dort als freischaffender Maler und Graphiker tätig. Von 1945 bis 1951 war er Leiter einer Malklasse an der Akademie der Bildenden Künste in München; 1948 wurde er Ehrenbürger der Stadt Landshut. 1971 ist Willi Geiger in München gestorben. Wie mancher seiner Vorgänger wählte auch Willi Geiger die Sicht vom Klausenberg aus über Tal und Stadt. Noch ist die mittelalterliche Silhouette unverfälscht, noch wetteifern Turm und Berg allein um die Höhe. Nur die Isar, die in vielen älteren Ansichten unberührt und ungebändigt an der Stadt vorüberzog, ist schon in enge Ufer gebannt.

1949 Blick von Auloh auf die Stadt

Aquarell von Rudolf Scheibenzuber

Die Älteren von uns erinnern sich noch gut und gerne an den liebenswürdigen, aber auch würdevollen Herrn Oberlehrer Scheibenzuber, der von 1901 bis 1968 in Landshut gelebt hat, zuletzt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1942 als Oberlehrer der St. Nikola-Schule. 1874 in Huldsessen bei Eggenfelden als Sohn eines Lehrers geboren, ist er in Hals bei Passau aufgewachsen, weil sein Vater dorthin versetzt worden war. Nach dem Besuch der Präparandenschule in Passau und der Lehrerbildungsanstalt in Straubing wurde er 1894 Hilfslehrer in Hohenau bei Grafenau. Schon als Student der Malerei zugetan, war er in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts geradezu der Landshuter "Stadtmaler", und wozu es immer gebraucht wurde: Der Herr Oberlehrer malte das passende Bild. Manchmal für Kalender, ein andermal zur Reproduktion auf Postkarten, dann für Jugendbücher, und als man im Inflationsjahr 1923 auch in Landshut Notgeld drucken ließ, hat man diese Scheine nach Art der Notgeldscheine anderer Städte mit einer Stadtansicht versehen, gezeichnet von Rudolf Scheibenzuber. Vor allem aber gelangten seine Bilder als heimatbezogener Schmuck in die Wohnungen vieler Landshuter, denn der Herr Oberlehrer verlangte nur geringes Entgelt für seine Arbeiten.

Rudolf Scheibenzuber hat sich auch auf andere Weise um Landshut verdient gemacht. So hat er seine große Sammlung Kröninger Keramik dem Stadtmuseum überlassen. 1968 ist Rudolf Scheibenzuber gestorben, im Städtischen Hauptfriedhof hat er seine Ruhestätte gefunden.

Das überaus ansprechende Aquarell zählt zu den letzten Bildern, welche die Stadt in ihrer früheren Erscheinungsform zeigen, noch ehe sie von den zahllosen Bauten der fünfziger und sechziger Jahre umklammert worden ist.

1968 Landshut von Südwesten

Federzeichnung von Franz Högner

Franz Högner, geboren 1903 in Landshut, war der große Zeichner und Maler, eine überragende Gestalt unter den Künstlern unseres Landes. Seine Eltern betrieben ein Geschäft fur kirchliche Kunst: der Vater war Goldschmiedemeister, die Mutter war Stickerin. Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München lebte er zurückgezogen in seiner Vaterstadt als freier Künstler. Doch die Strahlkraft seiner Persönlichkeit war durchdringend. Alle Kräfte, die in Landshut seit Jahrzehnten auf die Erhaltung des mittelalterlichen Stadtbildes drängen, hatten in Franz Högner ihren Lehrmeister. Die fünf Glasgemälde, die er für die Landshuter Martinskirche geschaffen hat, sind die qualitätvollsten Kunstwerke, die diesem großen Monument niederbayerischer Kulturgesittung in den letzten Jahrhunderten hinzugefügt worden sind. Es gäbe keine "Landshuter Hochzeit" in ihrer sehr hohen künstlerischen Qualität, hatte nicht Franz Högner Jahrzehnte hindurch diese Qualität vorgeschrieben und durchgesetzt. Im Oktober 1979 ist Franz Högner gestorben.

Für den Umschlag des Niederbayerischen Hefts 15 "Vom bayerischen Unterland - Eine Geschichte Niederbayerns für junge Leute" hat Franz Högner 1968 diese Zeichnung gefertigt. Sie zeigt die Stadt von Südwesten und erscheint als ein Gegenstück zum Kupferstich von Lorenz Strauch aus dem Jahr 1614.

1974 Landshut von Norden

Ölgemälde von Franz Högner

In den Jahren 1973 und 1974 malte Franz Högner für einen Landshuter Sammler vier Ansichten der Stadt im Wandel der Jahreszeiten. Für dieses Gemälde vom winterlichen Landshut wählte der Künstler eine der sanften Anhöhen bei Altdorf zum Standort: Seit den ersten Nachkriegsjahren gehört das alte Erscheinungsbild der Stadt endgültig der Vergangenheit an. Immer weiter breitet sich der Kranz neuer Bauten um die alte Stadt, am dominierendsten das Krankenhaus.

 

1975 Landshut

Gemälde in Mischtechnik von Franz Högner

Der große Künstler hat seiner Vaterstadt eine Anzahl graphischer Blätter, Aquarelle und Ölgemälde gewidmet - ausnahmslos Arbeiten von höchster Qualität. Wiederholt hat er die herkömmliche Art der künstlerischen Gestaltung überschritten - wieder entstanden Werke von höchstem Rang. Zu ihnen zählt dieses Gemälde, das er für die Umschlagseite eines Prospekts des Verkehrsvereins Landshut "Landshut - die Stadt des Mittelalters" geschaffen hat.

1976 Landshut

Kolorierter Linolschnitt von Marlene Reidel

Zu den feinsten Büchern, die eine bayerische Bibliothek zu bereichern vermögen, zählen die Bilderbücher der Malerin Marlene Reidel. Sie lebt in Obergangkofen bei Landshut. Nach Jahrzehnte langem Schaffen gesellt sie sich den bedeutenden Künstlern hinzu, die unser Land hervorgebracht hat, die seine geistige Kultur bereichert haben, in deren Werken der besondere Reichtum und die besondere Vielfalt des bayerischen Stammes fortschwingt. In dem 1987 erschienenen Buch "Der Lorenz - eine Kindergeschichte" erzählt sie in Wort und Bild von ihrer Kindheit. Ihm sind diese biographischen Notizen beigegeben: "Marlene Reidel wurde 1923 als ältestes von sieben Kindern des Landarbeiter-Ehepaares Lorenz und Maria Hartl geboren. Aufgewachsen auf dem Einödhof Krottental in Niederbayern. Verheiratet mit dem Bildhauer Karl Reidel, sechs Kinder. Marlene Reidel hat zahlreiche Kinderbücher geschrieben und illustriert. 1959 Deutscher Jugendbuchpreis, 1960 unter den "zehn besten Büchern der New York Times", 1964 unter den vom Börsenverein für den Deutschen Buchhandel ausgewählten "Schönsten deutschen Büchern des Jahres", 1965 Kulturpreis Ostbayern, 1977 unter den "zehn besten Büchern der internationalen Kinderbuchausstellung in Tokio", 1977 Sonderpreis der deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur."

1980 Landshut, blühende Stadt

Ölgemälde von Dorle Sturm, 1980

Seit einigen Jahren weht ein frischer Wind auf den Landshuter Anschlagsäulen:
Naive Plakate von einer unübertrefflichen Frische und Anmut laden ein zur Dult, zum Haferlmarkt, zum Altstadtfest, zum Christkindlmarkt und anderem fröhlichen Treiben. Sogar im Namenszug der Malerin spiegelt sich eine unbeschwerte Freude am Fabulieren mit Stift und Farbe: Wer ist sie, die Malerin unserer schönen Landshuter Plakate, Frau Dorle Sturm? Dies teilt sie uns selber mit: "Dorle Sturm, geboren 1927 in Landshut, hatte schon früh den Wunsch, Malerin zu werden. Heirat und zwei Söhne aber verhinderten ein Studium an der Akademie. So beendete sie ihre Berufsausbildung mit der Meisterprüfung für Keramik an der hiesigen Fachschule, an der sie seit einigen Jahren Stunden für Fayencemalerei gibt."