Landshuter Stadtansichten
Die Basis für dieses Kapitel ist dem Buch "Landshut in der Malerei - Gemälde und Grafiken aus fünf Jahrhunderten" von Dr. Hans Bleibrunner und Kuno Weber entnommen. Herausgegeben vom und erhältlich beim Verkehrsverein Landshut e.V.
Vorwort
Zwei alte Burgen mussten weichen, damit ein Stück isaraufwärts ein neuer Mittelpunkt menschlichen Lebens entstehen konnte: die Stadt Landshut.
Die bischöfliche "Straßburg" hat der neuen Landeshut ihre Bedeutung als Beschützerin eines wichtigen Übergangs über die Isar abgetreten, die Burg "Hut" hat der neuen Stadt ihren Namen übertragen. Mit Gründung der Stadt wurden diese alten Anlagen aufgegeben. Die beiden "Burgställe" indes sind als merkwürdige, seit 800 Jahren verlassene Orte im Gelände leicht erkennbar, der Burgstall Straßburg nächst der Ortschaft Frauenberg und der Burgstall Hut auf dem Isarsteilhang gegenüber der ehemaligen Schochkaserne. An der neuen Siedlung "Landshut" haben die Bauleute drei Jahrhunderte lang gewerkt; dann war die Stadt als ein spätmittelalterliches Gesamtkunstwerk höchsten Ranges vollendet. Im Jahr 1204 hat Herzog Ludwig der Kelheimer den Grund gelegt zum Bau von "castrum et oppidum", von Burg und Stadt. Um das Jahr 1503, als mit Herzog Georg dem Reichen die Linie Bayern-Landshut des Hauses Wittelsbach erloschen war, setzte man dem Martinsturm das Kreuz auf, das seither das Bild der Stadt bekrönt.
Die Anfänge der Stadt reichen zurück in die ausgehende Romanik, und die drei Kerne der Siedlung gehören dieser frühen Zeit an. Mit den zwei Rundtürmen ihres Torturms, mit dem alten Bergfried, dem "Wittelsbacher Turm", und mit der Burgkapelle St. Georg zeigt man die romanischen Teile der Burg Trausnitz. Unter dem Fußboden der Martinskirche haben sich der Stumpf des alten Stadtturms und das Gewände des Portals der alten Kirche erhalten. Im Kloster Seligenthal benutzen die Zisterzienserinnen noch heute die romanische Afrakapelle als ihre Winterkirche. Zur "gotischen" Stadt wurde Landshut in den folgenden Jahrhunderten, zusammengefügt aus den Bauten der Landesherrschaft, der Kirche und der Bürger.
Nun hat ein gutes Geschick diese Stadt im Kern erhalten, bewahrt vor Kriegszerstörung und Feuersbrunst. Dass sie durch den Bau der beiden barocken Klosteranlagen der Jesuiten und der Ursulinen eine Anzahl mittelalterlicher Häuser verloren hat, dass seit der Säkularisation die Kirchen der Franziskaner und der Kapuziner und mit ihnen die Dreifaltigkeitskirche im Stadtbild fehlen, dass dem "Fortschritt" große Teile der Stadtbefestigung zum Opfer gefallen sind, konnte sie eben noch verschmerzen. Denn die wesentlichen Werke der frühen Gotik, der hohen Gotik, der späten Gotik und damit ihre Wahrzeichen haben sich erhalten. Die Stadt Landshut war schon uralt, ehe ein unbekannter Maler um die Mitte des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal ein Abbild von ihr gefertigt hat. Seither hat sie die Künstler, die ihr begegnet sind, immer wieder in ihren Bann gezogen. Sie haben die spannungsreichen Strukturen unserer Stadt aus allen Richtungen und auf vielerlei Weise im Bild festgehalten.


