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„Mitten ins Herz“ mit Wolfgang Borchert im Mittelpunkt

Am Sonntag, 4. Dezember, heißt es zum letzten Mal in diesem Jahr „Mitten ins Herz“. Die Matinee-Lesung mit Heinz Oliver Karbus und Martin Kubetz findet um 11 Uhr im Lesecafé der Stadtbücherei im Salzstadel statt. Auf dem Programm steht Wolfgang Borchert. Da denkt man nicht gleich an Weihnachtliches, aber Karbus wird auch zwei Weihnachtsgeschichten von Borchert lesen: „Die drei dunklen Könige“ und „Hinter den Fenstern ist Weihnachten“.

„Mitten ins Herz“ findet nur noch einmal statt in diesem Jahr: Im Mittelpunkt der Lesung am Sonntag, 4. Dezember, mit Heinz Oliver Karbus (l.) und Martin Kubetz (r.) steht Wolfgang Borchert.

 

Heinz Oliver Karbus hat den Nachkriegsautor Wolfgang Borchert, den wichtigsten Vertreter der deutschen „Trümmerliteratur“, mit Bedacht ausgewählt für die letzte Lesung in diesem Jahr. Seine anrührenden Texte, Kurzgeschichten und Gedichte bringen zum Schweigen, regen zum Nachdenken an, zum Innehalten, zwingen zum Hinsehen auf das Elend, das jeder Krieg, egal wann, egal wo, immer im Gepäck hat.
Martin Kubetz übernimmt den musikalischen Part der Veranstaltung. Wer ihn kennt, weiß, dass er mit seinen Kompositionen genau den richtigen Ton trifft.
Wolfgang Borchert wurde am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren. Mit 17 Jahren veröffentlichte er erste Gedichte im „Hamburger Anzeiger“. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Eppendorf begann er 1939 eine Buchhändlerlehre und nahm gleichzeitig privaten Schauspielunterricht bei Helmut Gmelin. Im Juni 1941 wurde Borchert zum Kriegsdienst eingezogen und an die russische Front geschickt. Als er 1942 durch eine Schussverletzung einen Finger verlor, wurde ihm der Prozess gemacht. Der Vorwurf: Selbstverstümmelung. Zwei weitere Prozesse folgten später wegen defätistischer Äußerungen, was zu jener Zeit einem Todesurteil gleichkam. Wolfgang Borchert entging zwar der Todesstrafe, verbrachte aber viele Monate in Haft und wurde im November 1942 zur „Bewährung“ an der Ostfront eingesetzt. Kurze Zeit später erkrankte er an Gelbsucht und Fleckfieber. Bei seinem letzten Fronteinsatz im Westen wurde er im Frühjahr 1945 von französischen Truppen in Frankfurt gefangen genommen. Ihm gelang die Flucht und er schlug sich zu Fuß rund 600 Kilometer bis nach Hamburg durch, schwerkrank kam er am 10. Mai, zwei Tage nach Kriegsende dort an. Von seinen Leiden aus Kriegsjahren sollte er sich nie wieder erholen.
Trotzdem arbeitete er in der Folgezeit als Regieassistent am Hamburger Schauspielhaus und war auch schriftstellerisch sehr produktiv. Es entstanden wichtige Werke, wie zum Beispiel seine Erzählung „Die Hundeblume“, Kurzgeschichten und andere Prosatexte. 1947 schrieb er, schon unheilbar krank, innerhalb einer Woche das expressionistische Drama „Draußen vor der Tür“, in dem er realistisch die Einsamkeit und Verzweiflung eines Kriegsheimkehrers beschrieb und damit der Bitterkeit und Trauer einer ganzen verratenen Generation eine Stimme verlieh. Am 20. November 1947 starb Wolfgang Borchert mit nur 26 Jahren. Einen Tag nach seinem Tod wurde das Stück, das zunächst nur als Hörspiel gesendet worden war, in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt. „Bei der Uraufführung“, so erinnerte sich der damalige Hauptdarsteller Hans Quest, „saß das Publikum nachdem der Vorhang gefallen war minutenlang totenstill im Saal, erst dann setzte der Applaus ein, der nicht aufhören wollte.“
„Mitten ins Herz“ getroffen – und das wirkt noch heute. Wolfgang Borcherts Werke haben über die Jahre nichts an Aktualität verloren, man kann sie, einmal gelesen, gehört, gesehen, nicht mehr vergessen.

Karten für sieben Euro gibt es im Vorverkauf in der Stadtbücherei im Salzstadel. Reservierungen sind möglich unter Telefon 0871/22878.
Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Im nächsten Jahr geht’s weiter mit „Mitten ins Herz“. Die genauen Termine können den ab Januar in der Stadtbücherei ausliegenden Info-Blättern entnommen werden.

22.11.2016

 

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