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Sibiu/Hermannstadt - jung seit 1191

Das Wappen der Stadt Sibiu
Wappen der Stadt Sibiu

Die fünfte und bislang jüngste Städtepartnerschaft hat die Stadt Landshut anlässlich eines Festakts am 13. April 2002 mit Sibiu/Hermannstadt (Rumänien) geschlossen. Ziel dieser Partnerschaft ist es, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits bestehenden Kontakte zu bündeln und möglichst viele Bürger beider Städte in unterschiedlichste Aktivitäten einzubinden.

Sibiu/Hermannstadt liegt ca. 1200 Kilometer von Landshut entfernt im Karpatenbogen Rumäniens und ist mit rund 180.000 Einwohnern die größte Stadt des Verwaltungsbezirks sowie eine der wichtigsten Städte Siebenbürgens/Transsylvaniens. Der Großteil der Einwohner wird von Rumänen gebildet (94%), welche mit ca. 2000 Deutschen zusammenleben, Nachfahren der im 12. Jahrhundert hier angesiedelten Kolonisten von Mosel und Rhein, den Siebenbürger Sachsen. Am multikulturell geprägten städtischen Leben haben neben den ca. 25000 Studenten insbesondere auch in Sibiu/Hermannstadt ansässige Ungarn, Roma und eine kleine jüdische Gemeinde Anteil. Eine ähnliche Vielfalt kennzeichnet seit Jahrhunderten das religiöse Leben der Stadt. Neben Orthodoxen leben in Sibiu/Hermannstadt Angehörige der calvinistischen, evangelischen, griechisch-katholischen und römisch-katholischen Kirche, so dass die soziale Struktur auf einem geschichtlich gewachsenen, interkulturellen Lebenshintergrund basiert und die ethnische Vielfalt ihrer Bewohner sowie die Verschiedenartigkeit der Generationen und Lebensstile der Stadt ihre unverwechselbare Ausstrahlung verleihen.

Bereits historisch sind die beiden Partnerstädte durch ihre annähernd zeitgleiche Stadtgründung verbunden, denn die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Sibiu/Hermannstadt stammt von Papst Coelestin III.. In dieser wurde der von den ungarischen Königen zur Verteidigung gegen die Türken und Tataren zur Hilfe gerufenen deutschen Bevölkerung die Errichtung einer Propstei in "Cibinium", der Stadt am Cibin bestätigt. Später erhielten die "Saxones" weitreichende Rechte und Privilegien, gründeten ausgehend von Sibiu/Hermannstadt zahlreiche Dörfer mit Kirchenburgen, entwickelten bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein richtungweisendes deutsches Schulsystem und schufen somit das "Land der sieben Burgen."  

Das erste Hermannstadt besuchende Staatsoberhaupt war der Wittelsbacher Herzog Otto III. von Bayern (1261-1312), welcher als ungarischer König Bela V. (1305-1307) eingeladen worden war, "in das Land von Hermannstadt als Herr und König des genannten Landes und Königreiches zu kommen"  (Urkunde vom 10. April 1306. Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen. 1. Band 1192-1342. Stadtarchiv Hermannstadt)  und dort folgendermaßen empfangen wurde:

"grozlich erten si in, mit geuden und mit schalle
freuten si sich alle, daz in got noch bî irem leben
ein tiutschen kunic hete geben."
(Österreichische Reimchronik)

Der Woiwode Ladislaus Kân jedoch beraubte Otto III./Bela V. auf seiner Rückreise bei Sebeş seiner Reichsinsignien, nahm ihn gefangen und ließ diesen erst nach einer Lösegeldzahlung frei. Der politisch geschwächte König musste bald auf die ungarische Krone verzichten und starb in Landshut, wo er im Kloster Seligenthal begraben liegt.

Die heutigen Kontakte zwischen den beiden Partnerstädten sind allerdings wesentlich harmonischer und in erster Linie kulturell sowie wirtschaftlich geprägt. Neben der Tatsache, dass ca. 5000 Rumäniendeutsche in und um Landshut eine neue Heimat gefunden haben, basieren diese auf den Hilfskonvois des Hans-Leinberger-Gymnasiums (1990-2000), einer schulischen Zusammenarbeit im Rahmen des EU-Projekts "Kooperation ohne Grenzen" (seit 1996), dem alle zwei Jahre stattfindenden "Hermannstädter Treffen" und diversen Kulturveranstaltungen.

Zudem gibt es mehrere einheimische Institutionen, Unternehmen bzw. Firmen, welche eng mit Partnern aus Sibiu/Hermannstadt zusammenarbeiten, dort teilweise  produzieren und gemeinsam vom erfolgsversprechenden Entwicklungsklima (hoher Ausbildungsstand, geringe Arbeitslosigkeit, zahlreiche ausländische Investoren) sowie von der neuen Infrastruktur (Industriezonen, Flughafen) unserer Partnerstadt profitieren. In den letzten Jahren hat sich zudem der Fremdenverkehrssektor überproportional entwickelt. Sibiu/Hermannstadt zählte 2007 zu den 50 beliebtesten Zielen des Städtetourismus, bietet sich als Ausgangspunkt für Reisen nach Siebenbürgen oder in das Fogarascher Gebirge an und richtet jährlich bekannte Motorsportveranstaltungen aus.

Die rasante Entwicklung, welche die Stadt insbesondere unter dem seit 2000 amtierenden und 2004 bzw. 2008 mit knapp 90% wiedergwählten Oberbürgermeisters Klaus Johannis, einem Siebenbürger Sachsen, nahm, spiegelt sich am nachhaltigsten darin wider, dass Sibiu/Hermannstadt im Jahr des Beitritts Rumäniens zur Europäischen Union (2007) gemeinsam mit Luxemburg zur Europäischen Kulturhauptstadt gewählt wurde und mehr als 500.000 Besucher dem "kulturellen Marathon" mit  über 2200 Veranstaltungen beiwohnten. Mit seinem authentischen mittelalterlichen Zauber, seinen Traditionen und seinen nahegelegenen Naturschönheiten tritt Sibiu/Hermannstadt daher heute selbstbewusst als kulturelle und touristische Hauptstadt Rumäniens auf und entwickelt sich parallel dazu zu einem internationalen Wirtschaftszentrum.

Die Koordination und Ausrichtung der unterschiedlichen städtepartnerschaftlichen Aktivitäten obliegt in erster Linie dem 2001 gegründeten "Freundeskreis Landshut-Sibiu/Hermannstadt".

Freundeskreis Landshut-Sibiu/Hermannstadt e.V.

Dorith Wegmann


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