Stadt Landshut
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nur noch bis 12. November: Mythos Hochzeitsstadt

Während der Landshuter Hochzeit vom 30. Juni bis 23. Juli 2017 bei gutem Wetter abends von 22–23 Uhr Opens internal link in current windowMultivision »Kostümfeste« in Heiliggeist.

Plakat "Mythos Hochzeitsstadt"

Die Ausstellung widmet sich dem Ringen der Landshuter Bürger um einen fürstlichen Mythos für ihre gotische Stadt. Dabei geht es vor allem um Selbstvergewisserung im Glanz der Vergangenheit. So entstand aus einem märchenhaften Bild vom Mittelalter ein von barocker Lebensfreude erfüllter Mythos, der schließlich die unverwechselbare Marke »Hochzeitsstadt« hervorgebracht hat. Da fließt vielerlei zusammen, um aus den Berichten der Augenzeugen, den Legenden der Historie und den Erfahrungen der Mitwirkenden mehrerer Generationen den Mythos der Märchenhochzeit zu gewinnen. Auch das Landshuter Stadtwappen mit den drei Helmen gewinnt in der identitätsstiftenden Aufführung der Hochzeit erneut eine emotionale Rolle im ritterlichen Gewand.

Bernhard Kühlewein, Obere Altstadt mit St. Martin während der "Landshuter Hochzeit" mit Fahnengirlanden

Die Ausstellung erzählt diese Geschichte in mehreren Akten:
Im Prolog entwirft der Maler Bernhard Kühlewein mit Motiven der Landshuter Hochzeit ein Bild sinnlicher Lebensfreude und barocken Überschwangs. Seine farbenfrohen Gemälde und Graphiken führen vielfach die Beteiligung der Kinder am Historienfest vor Augen und zeigen zugleich die Entstehung eines lebenslangen Resonanzraumes auf. Wer einmal mit allen Sinnen das Mittelalter dieser Hochzeit erfahren hat, für den hört es lebenslang nicht auf.
Zugleich spannt sich der Rahmen zum Epilog: Es treten verschiedene Versionen der Vergangenheit vor Augen. Das Mittelalterbild von 1880 und Kühleweins Mittelaltervorstellung bespiegeln und erhellen sich wechselseitig.

Begonnen hatte dies alles spätestens 1789 mit Lorenz Westenrieder. Mit dem Zweiten Kaiserreich war ab 1871 eine neue Qualität glanzvoller Sicht auf das Mittelalter in geradezu explosionsartiger Dynamik entstanden. Seit 1875 arbeiten die Landshuter mit neuer Dynamik an dem Mythos ihrer Hochzeitsstadt. Zum 400jährigen Jubiläum der Fürstenhochzeit von 1475 feierte man in kleinem Kreis und huldigte in aller Opulenz diesem Höhepunkt vergangener Geschichte. Das Sinnen-Fest von 1875 wurde dank der 1882 vollendeten Gemälde im Landshuter Rathausprunksaal zu einem dauerhaften Augenschmaus. Zwanzig Jahre später gründeten sich „Die Förderer“ e.V. Der Verein setzte sich zur Aufgabe, die »Landshuter Hochzeit« als Festzug in Kostümen nach den Rathausgemälden mit neuem Leben auf der Bühne der Stadt aufzuführen.

Festwagen aus dem Festzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares 1879 in Wien, Chromolithographie nach einem Aquarell von Ed. Stadlin

Die Ausstellung widmet sich der Herkunft dieses von Bürgern inszenierten Fürstenfestes aus Künstlerfest, Festzug und Festspiel. Unversehens tritt die Geburt des Mythos der Hochzeitstadt aus der doppelten Wurzel von Fest und Theater hervor.

Kopf eines Standbilds Herzog Ottos V., gen. der Faule, um 1360-1380

Eine ganz besondere Station im Mittelschiff der grandiosen Heiliggeistkirche gilt dem Mythos des ritterlichen Landshut. Der Weg vom realen über den idealisierten zum gespielten Ritter wird anschaulich. Die massenhafte Hinwendung zum Mittelalter findet ihren neuen Höhenpunkt im Historismus. Im Zuge der beschleunigten Industrialisierung wurde die verlorene Zeit zum Fluchtort für Utopien und Paradiese. Geschichte stieg zur alles bestimmenden Macht des Alltags auf: Man wollte alles so, wie es gewesen war, noch einmal und auf Augenhöhe. Gleichzeitig orakelt Nietzsche über den »Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben«.

In zwei weiteren Stationen gibt es ein Mittelalter zum Anfassen! Ritterrüstungen stehen zum Anprobieren bereit, Helme, Fingerhandschuhe und Kettenhemden bürden dem Besucher das ganze Gewicht der Geschichte auf. Im Anschluss entführt die Ausstellung auf die Stoffmärkte in Nürnberg und Venedig. Aus der freien Reichstadt in Franken und aus der Stadt an der Lagune wurden sündhaft teure Stoffe besorgt. Der ›Markt‹ hält mittelalterliche Stoffe zum Anfassen bereit und durch das Kostüm wird für den Besucher das Fest im wahrsten Sinne begreifbar.
Den Abschluss findet die Schau auf einer monumentalen Leinwand im Höhenraum der Spitalkirche: Unter dem Titel »Kostümfest« bringt magisches Tageslichttheater Vision und Traum vom Mittelalter zum Greifen nah. So viel sei verraten: Verkleidung und Kostüm begleiten die Landshuter Hochzeit als Alleinstellungsmerkmal auf ihren Stationen durch die Zeit. Als Faszinosum und als Herausforderung verläuft dieser Weg vom ›Kostümknopf zum Dresscode‹.

Weitere Dienste

Öffnungszeiten

täglich – außer montags –
10–17 Uhr

während der »Landshuter Hochzeit« vom 30.6.–23.7.

täglich 10-19 Uhr
(So 14–16 Uhr geschlossen)

Eintritt frei!