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Neues aus Landshut

Eine starke Frau mit großem Lebenswillen

Anna Grabitzki ist seit Mittwoch die zwölfte im Bunde der Landshuter Jahrhundert-Jubilare. Zu diesem besonderen Anlass überraschte sie Oberbürgermeister Alexander Putz am Vormittag mit einem Besuch im St. Jodok-Stift. Sichtlich gerührt zeigte sich die elegant gekleidete 100-Jährige, als sie ihren Ehrengast sah.

Herzlichen Glückwunsch Anna Grabitzki: Oberbürgermeister Alexander Putz (rechts) gratulierte der 100-jährigen Landshuterin im Beisein ihrer Tochter Eva (rechts), Enkelin Bärbel und dem Leiter des St. Jodok-Stift, Stephan Bitzinger, zu ihrem Ehrentag.

 

„Erst gestern musste ich an Sie denken“, stellte sie fest. Denn tags zuvor habe sie den Geburtstagsbrief aus dem vergangenen Jahr gelesen, den ihr der Rathauschef zukommen ließ. „Aber dass Sie heute sogar persönlich vorbeikommen?“, wie Anna Grabitzki überrascht ergänzte – damit habe sie wohl nicht gerechnet. Und ab jetzt – warnte sie der Oberbürgermeister mit einem Augenzwinkern vor – müsse sie sich jedes Jahr auf einen seiner Besuche gefasst machen; ein Versprechen, wie es die Jubilarin verstand, das sie freilich mit großer Freude erwiderte.
Seit nunmehr über 70 Jahren lebt Anna Grabitzki in Landshut. Geboren ist sie in Pfaffenhofen als eines von insgesamt neun Geschwistern. Ein bewegtes Leben prägte die heute 100-Jährige, die bereits früh erwachsen werden musste: Anna Grabitzki zählte nicht einmal zehn Jahre, als ihre Mutter verstarb. Der Haushalt, die jüngeren Geschwister großziehen, im elterlichen Fuhrwerkbetrieb mitarbeiten und abends die Tiere versorgen – das alles stand für Anna Grabitzki neben der Schulpflicht an der Tagesordnung.
Allein die Erzählungen über ihre Schulzeit verdeutlichen die zwischenzeitlichen drastischen Veränderungen – eine völlig andere Welt möchte man meinen. „Aufstehen! – Grüßen! – Sitzen! – Hände auf die Bank!“, lautete die Anweisung des Lehrers, und wer in der Klasse nicht spurte, dem winkten Stockhiebe. Der tägliche Kirchengang vor jedem Unterricht durfte ebenso nicht fehlen. Um nicht mit Straßenschuhen das Klassenzimmer zu verschmutzen, waren Hausschuhe Pflicht. Und damit im Winter die Füße nicht froren, legte man Stroh in die Schuhe. Stolz berichtete sie noch, dass ihre Klasse sogar die erste war, die eine „schwenkbare“ Tafel erhielt. „Das war unsere Schulzeit. Aber so streng es auch war – wir haben was gelernt!“, betonte sie.

Um Geld zu verdienen, versuchte sie im Alter von 18 Jahren ihr berufliches Glück in München. Ihr Geschick und ihr großes Talent zu schneidern brachten ihr eine herausragende Stelle im Gärtnerplatz-Theater ein, im Rahmen derer sie für die vielen Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer verantwortlich zeichnete. „Das war eine schöne Zeit“, sagte Grabitzki. Noch heute erinnert sich auch Enkelin Bärbel, die für ihre Oma gemeinsam mit Grabitzkis Tochter Eva extra aus der Nähe von Frankfurt anreiste: „Sie konnte ganz wunderbar nähen! Sie hatte für mich und meine Puppen Kleider genäht, gestrickt und gehäkelt.“

In Ingolstadt, wo Anna Grabitzki Verwandten gelegentlich im Haushalt half, lernte sie ihren Ehemann kennen. Kurz darauf ereilten sie zwei schwere Schicksalsschläge: Unmittelbar nach der Hochzeit wurde ihr Ehemann in den Krieg eingezogen und fiel dort wenig später. Anna Grabitzki – damals etwa 20 Jahre alt und in freudiger Erwartung – verlor in dieser Zeit nicht nur ihren Mann, sondern auch ihr erstes ungeborenes Kind.
Bis 1944 war sie im Gärtnerplatz-Theater tätig. Detailliert beschrieb sie den Moment, als München ausgebombt wurde: In ihre Wohnung zurückkehren – das konnte sie nicht mehr: „Mit meiner Arbeitsschürze bekleidet stand ich da und floh“, sagte sie. Gezeichnet vom Erlebten hat Anna Grabitzki, die gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann zwei Töchter großzog, ihren Lebensmut aber nie verloren.

Mit der dienstlichen Versetzung ihres Ehemanns, ein Staatsangestellter, wurde die Stadt Landshut, genauer gesagt Achdorf, zu ihrer neuen Heimat. „Sie war mit Leib und Seele Ehefrau und Hausfrau. Sie hat für ihr Leben gern gekocht und gebacken.“, so Anna Grabitzkis Enkelin über ihre Oma. Darüber hinaus habe sie auch ihren Ehemann, der an Kriegsverletzungen litt, bis zu seinem Tod vor mehr als 40 Jahren gepflegt.
Zu Anna Grabitzkis Hobbys zählte vor allem das Kegeln. Im hiesigen Kegelverein engagierte sie sich zudem als Kassenwart und bewies großes Talent beim Organisieren von Vereinsfahrten, wie beispielsweise nach Italien.
In den St. Jodok-Stift zog sie auf eigenen Wunsch erst im Alter von 94 Jahren. Der Grund war eine Gehschwäche, die sie zunehmend an die Wohnung band, da ihr auch das Treppensteigen sehr schwer fiel.

Im Seniorenheim sei sie dann nochmals richtig aufgeblüht, erinnert sich die Enkelin. Der Kontakt zu Grabitzkis Mitbewohnern habe der geselligen Jubilarin sehr gut getan. Zudem war die heute zweifache Uroma und Ururoma ein beliebter Ansprechpartner für junge Leute, die sie im Seniorenstift besuchten, um ihrer Lebensgeschichte zu lauschen.
Vergangenes Jahr überstand sie sogar eine schwere Operation. Sie entschloss sich dazu, sich das Bein, das ihr zeit ihres Lebens schwere Probleme bereitete, amputieren zu lassen. Eine Entscheidung, die einmal mehr ihren großen Lebenswillen und starken Charakter widerspiegelt. Stets mit dem Blick nach vorne gerichtet, ließ und lässt sie jede noch so ausweglos scheinende Situation hinter sich. „Ich habe mich überall so ‚durchgemogelt‘.“, sagte die Jubilarin bescheiden mit einem Lächeln auf den Lippen. „Ich habe vieles erlebt – und wenn man heute zurückblickt, versteht man Vieles leichter“. Dem Oberbürgermeister, der ihr ein Blumenpräsent, ein persönliches Glückwunschschreiben sowie seitens des Bayerischen Ministerpräsidenten eine Silber-Medaille der „Patrone Bavariae“ überreichte, dankte sie für seine wertvolle Zeit. „Ich möchte mich von Herzen bedanken. Sie haben mir einen wirklich schönen Tag bereitet.“


05.07.2019

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