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Der Sport im Nationalsozialismus

Fußball - Spielankündigungsplakat des DRfL 1938
Fußball - Spielankündigungsplakat des DRfL 1938
Siegerurkunde Skiklub Landshut 1937 VII. Sieger Franz Willi
Siegerurkunde Skiklub Landshut 1937 VII. Sieger Franz Willi
Siegerurkunde Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen Fachamt Leichtathletik Kreis 7 Ostmark Süd, Kreismeisterschaften 1939 in Landshut, 1. Sieger Weitsprung 4,82m Reserl Seemann
Siegerurkunde Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen Fachamt Leichtathletik Kreis 7 Ostmark Süd, Kreismeisterschaften 1939 in Landshut, 1. Sieger Weitsprung 4,82m Reserl Seemann
SC Landshut, 1. Eishockeymannschaft 1938/39 beim Spiel gegen Wartenberg in Landshut
SC Landshut, 1. Eishockeymannschaft 1938/39 beim Spiel gegen Wartenberg in Landshut

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 gelang es den Nationalsozialisten in kürzester Zeit, durch eine Reihe von Maßnahmen ihren totalitären Machtanspruch durchzusetzen. Auch der Sport wurde in diesen Prozess einbezogen und sowohl organisatorisch als auch strukturell grundlegend verändert. Entsprechend der zentralistischen Staatsordnung verlief diese Entwicklung in ganz Deutschland einheitlich. Zu den vordringlichsten Aufgaben gehörte die organisatorische Eingliederung der Sportorganisationen in das nationalsozialistische Machtsystem. Als problemlos erwies sich die "Gleichschaltung" der Turnerschaft. Ihr völkisch-nationales Selbstverständnis deckte sich weitgehend mit der Weltanschauung des Nationalsozialismus.
Auch die meisten Sportverbände hatten sich schon vor 1933 der Ideologie Hitlers angenähert. Nachdrücklich erklärten sie jetzt ihre Bereitschaft, sich in den Dienst der "nationalen Erhebung" zu stellen. Unvereinbar mit der NS-Ideologie waren jedoch die weltanschaulichen Grundlagen des Arbeitersports und der konfessionellen Sportorganisationen. Wie in ganz Deutschland, so wurden jetzt auch in Bayern alle Arbeitersportvereine und alle kirchlichen Sporteinrichtungen aufgelöst.

Bei den Vereinen trat jetzt an Stelle der demokratisch gewählten Vorstandschaft eine von oben bestimmte linientreue und autoritäre Vereinsführung. Die Notwendigkeit, das Sportwesen in den Hitler-Staat einzugliedern ergab sich auch aus dem nationalsozialistischen Erziehungsdenken. Sinn und Zweck der sportlichen Betätigung waren die Stärkung und Entfaltung der propagierten biologischen und charakterlichen Überlegenheit des deutschen Volkes. Zu den wichtigsten Zielen in der Erziehung der männlichen Jugend gehörten neben der Gesunderhaltung und Kräftigung des Körpers die Entwicklung kämpferischer Eigenschaften, wie Mut, Härte, Willensstärke, Disziplin und Gemeinschaftsbewusstsein.
Im Vordergrund der Mädchenerziehung stand die Sorge um die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der "künftigen Mütter". Damit aber bekam der Sport im Nationalsozialismus eine Schlüsselposition. Er wurde zum "Dienst am Volk".

Der hohe Stellenwert des Sports und seine ideologische Ausrichtung erforderten zwangsläufig auch strukturelle Veränderungen. Gefragt war nun nicht mehr die elitäre Höchstleistung eines einzelnen, sondern ein möglichst hoher Leistungsstand der breiten Masse. Schrittweise wurde der Sportunterricht in allen Schulen auf fünf Wochenstunden erweitert. Eine wichtige Rolle in der NS-Leibeserziehung spielte die "Hitlerjugend" (HJ). Die Mitgliedschaft in dieser Organisation war für alle Jungen und Mädchen verpflichtend. Für die männliche Jugend begann die Ertüchtigung mit einer vielseitigen Grundschule und wurde ab dem 14. Lebensjahr durch wehrsportliche Übungen wie Schießen, Geländesport und Hindernislauf ergänzt. In der Mädchenerziehung wandte man sich Formen zu, die das spezifisch Weibliche betonten. Gymnastik und Gruppentänze erfreuten sich einer besonderen Pflege. Ab 1937 mußten alljährlich alle HJ-Angehörigen in "Reichssportwettkämpfen" ihren Leistungsstand unter Beweis stellen. Zur Erziehung von Jungen, die aufgrund einer besonderen Auslese zu Trägern der nationalsozialistischen Staatsmacht bestimmt waren, wurden NS-Eliteschulen eingerichtet. Entsprechend den Ausbildungszielen unterschied man zwischen "Nationalpolitischen Erziehungsanstalten", "Adolf-Hitler-Schulen" und "Ordensburgen". Allen gemeinsam waren der Internatscharakter und ein außerordentlich hoher Stellenwert der Leibesübungen. Hier sollte sich modellhaft die Idee einer "Gesamterziehung vom Leib her" verwirklichen. Die körperliche Ertüchtigung beinhaltete sowohl Unterricht in den Grundsportarten und im Wehrsport als auch bei entsprechenden Voraussetzungen eine Sonderausbildung im Reiten, Rudern, Segeln, Skilaufen, Bergsteigen, Segelfliegen und im Motorsport. Aus dem Bestreben, den Siegeszug der nationalsozialistischen Ideologie aller Welt vor Augen zu führen, wurden immer wieder gigantische Veranstaltungen inszeniert. Auch der Sport wurde zu einem Medium der Propaganda. Hitlers Plan, in Nürnberg zur alljährlichen Veranstaltung  "Nationalsozialistischer Kampfspiele" ein gewaltiges, rund 400.000 Zuschauer fassendes "Deutsches Stadion" zu errichten, sollte nunmehr verwirklicht werden. Am 9. September 1937 fand in Anwesenheit von 17.000 uniformierten Männern die feierliche Grundsteinlegung statt. Der Krieg hat dann die Verwirklichung dieser Pläne vereitelt.

Turngemeinde Landshut, Meifeier 1938 auf dem Sportplatz an der Wittstraße
Turngemeinde Landshut, Maifeier 1938 auf dem Sportplatz an der Wittstraße
Fahnenappell bei den Faltbootfahrern
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