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Sport im Mittelalter und der frühen Neuzeit

"il Calcio" in Padua. Kupferstich von Petro Bertelli, ca.1595
"il Calcio" in Padua. Kupferstich von Petro Bertelli, ca.1595

Sich vergnügen und mit "Muße" ans Werk gehen.

Sport, wie wir ihn heute kennen und lieben, hat im Wesentlichen zwei Wurzeln - die reine Freude an Spiel und Bewegung im Freien und das Training für den Kampf, für den Krieg. "Freizeit" im heutigen Sinn war den Menschen des Mittelalters unbekannt - gleichwohl hatten sie viel freie Zeit: Dank der vielen kirchlichen Feiertage (bis zu 60 im Jahr) war zusammen mit den Sonntagen ein gutes Viertel des Jahres "Freizeit". Tage, an denen neben dem Kirchgang das Feiern von Festen, die Aufführung von Theaterstücken und Geistlichen Spielen auf dem Programm stand oder eben die Freude an Spiel und Sport - der Begriff leitet sich ab vom vulgärlateinischen desportare: sich vergnügen. Das verdeutlicht die soziale wie die religiöse Dimension des Sports: Sporthistoriker haben herausgearbeitet, wie die gemeinsame sportliche Betätigung als , "sozialer Kitt" wirkte, vor allem dort, wo schon viele Menschen zusammenlebten, also in den Städten. In einer Zeit, die keine Trennung zog zwischen "weltlichem" und "religiösem" Bereich, hatte auch Sport ausdrücklich einen Platz in der göttlichen Ordnung der Welt: Die Kirche achtete darauf, dass die Leute ihren Freizeitbeschäftigungen mit "otium" ("Muße") nachgingen - wir würden heute von "sinnvoller Freizeitbeschäftigung" sprechen.

Ballspiele: Beliebt bei Jung und Alt und in allen Schichten

Pallone - Spiel in einer deutschen Stadt. Kupferstich von Matthäus Merian 1630
Pallone - Spiel in einer deutschen Stadt. Kupferstich von Matthäus Merian 1630

Die Germanen waren leidenschaftliche Ballspieler: Es spricht buchstäblich für sich, dass fast alle romanischen Völker das germanische Wort "Ball" übernommen und ihre lateinischen Bezeichnungen dafür vergessen haben. Aus dem Mittelalter gibt es viele Darstellungen und Berichte über Ballspiele. Hoch begehrt als Rohmaterial für Spielbälle waren die Blasen von Schweinen: Aufgeblasen waren sie die ersten luftgefüllten Bälle. Bei Schlachtungen warteten Sportler von einst schon darauf und verzichteten dafür sogar auf einen Festbraten, wie ein Gelehrter aus dem 15. Jh. schildert: "Wenn man eine suw metzet, so nehmen die bösen knaben die blatter und blasent sie uff und thuon drei oder fier erbsen darin und machen ein gerümpel, und ist inen die blatter lieber dann zwo seiten speck." Aus dem 15. Jh. sind die ersten "richtigen Bälle" bekannt, die aus mehreren übereinander liegenden Lederhüllen bestanden: Sie wurden in Italien hergestellt, besaßen bereits ein Ventil und konnten die Luft eine Zeitlang halten. Diese einfachen, luftgefüllten Lederbälle, sog. "palloni", hatten einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern und waren im Italien der Renaissance ausgesprochen beliebt. In Deutschland wurden die "palloni" erst um 1550 bekannt. Solche luftgefüllten Bälle waren teuer - und daher den gehobenen Gesellschaftsschichten vorbehalten. Das einfache Volk spielte mit ledernen Bällen, die mit Haar, Stroh, Federn, Moos usw. ausgestopft waren. Bei archäologischen Ausgrabungen in mittelalterlichen Städten sind einige solcher Bälle gefunden worden. Da sie aus organischem Material sind, müssen glückliche Umstände ihren Erhalt ermöglicht haben. Bei den Ausgrabungen in der Landshuter Innenstadt sind leider keine Zeugnisse der ersten Ballsportler zutage gekommen. Aber aus Regensburg zum Beispiel kennen wir einen mit Stroh gefüllten Lederball aus dem 15. Jh.: Er hat einen Durchmesser von rund 15 Zentimetern.

Die Burg Trausnitz erhält ein imposantes "Ballhaus"

Im 16. Jh. kamen in der "besseren Gesellschaft" so genannte Ballhäuser in Mode. Landshut erhielt durch den Erbprinzen Wilhelm V., der von 1568 bis 1579 auf der Trausnitz Hof hielt, eine solche Sporthalle. Wilhelm ließ kurzerhand das alte Bräuhaus für die neuen Zwecke um- und ausbauen.
Das im Jahr 1811 abgerissene Gebäude ist im Sandtnermodell der Stadt abgebildet und hatte in etwa die Länge des jetzigen Verwaltungsgebäudes der Trausnitz. Es war gegenüber der Brücke über den Burggraben in den Hang des Hügels hineingebaut worden. In den Trausnitz-Jahren des Erbprinzen war das Gebäude nicht nur Schauplatz von Ballspielen und verschiedenster sportlicher Betätigungen, sondern auch von Festivitäten,
Maskeraden und anderen "Bällen", die übrigens daher ihren deutschen Namen haben.

Die frühen Fußballturniere waren eine wilde Angelegenheit - die Spiele der "gehobenen Gesellschaft" ebenso wie die des "niederen Volks". Aber im Prinzip ging es schon damals um dasselbe - ums Toreschießen: Aus Italien stammen Berichte, nach denen zwei Mannschaften mit oft über 20 jungen Männern versuchten, den pallone in das gegnerische Tor zu befördern. Im mittelalterlichen Europa gab es Treibballspiele, die durchaus Kampfspiel- Charakter hatten und bei denen die gegnerischen Mannschaften - manchmal die ganze Jungmannschaft einer Ortschaft - versuchten, einen Ball durch das gegnerische Dorf- oder Stadttor zu treiben. Dabei durfte der Ball auch getragen werden: Fußball, Handball und Rugby haben hier ihre gemeinsamen Wurzeln. Wie man aufgrund von archäologischen Funden und aus Darstellungen weiß, gab es kleinere Bälle mit Durchmessern zwischen 2 bis 7 Zentimetern, die bei hockeyähnlichen Schlagspielen Verwendung fanden, und solche mit 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser, die bei Wurfspielen zum Einsatz kamen. In den "Handball-Mannschaften" des späten Mittelalters waren, wie überliefert ist, übrigens auch Mädchen stark vertreten.

Das Ballhaus, ein sehr großes, zu Turnierübungen, Spielen usw. verwendetes Gebäude: Im Stadtmodell des Drechslermeisters Jakob Sandtner von 1571 ist es als eine Halle ohne Fenster dargestellt, die nur unter dem Walmdach größere Lichtöffnungen hatte. Besonders im Fasching war das Ballhaus der Trausnitz Schauplatz von ulkigen "Ritterspielen", den so genannten Kübelstechen, wie man aus Berichten aus den Jahren 1516 und 1578 weiß. Mit hölzernen Lanzen ausgerüstete Reiter stießen dabei Kübel von Holzstangen herunter oder sie sammelten Punkte, indem sie im Vorbeiritt mit der Lanze treffsicher Ringe einsammelten, die an den Querbalken der Stangen hingen (daher auch der Name "Ringelstechen").
Das Ballhaus: Schauplatz für "ulkige Ritterspiele"

Ritterturniere bei der Landshuter Hochzeit: Ein Spitzensport - Ereignis

Aus den Kampfspielen zwischen Kriegern entwickelte sich im 12. Jh. das Ritterturnier. Die Teilnehmer daran kämpften in der Regel um ganz viel Geld, um Ruhm, aber auch um die Gunst schöner Frauen -wobei der letzte Aspekt weit weniger Bedeutung hatte als in den modernen Historienfilmen.
Die Turnierritter setzten ihre Gesundheit und oft auch ihr Leben aufs Spiel: Das machte als Nervenkitzel einen Teil der Attraktivität dieser Kampfsport- Veranstaltungen aus.
Manchmal ging es bei Turnieren wirklich zu wie im Krieg: Im Jahr 1240 wurden bei einem Ritterturnier in Köln rund 40 Ritter und Knappen getötet. Die Turniere waren für die Ritter eine gute Möglichkeit, ihre Fähigkeiten im Reiten und im Umgang mit den Waffen zu erproben und ihren Mut zu beweisen. Kein Wunder, dass Könige und Fürsten auf den Turnieren auch Ausschau nach fähigen Kämpfern hielten. Als sich im November 1475 bei der Hochzeit des bayerischen Erbprinzen Georg und der polnischen Königstochter Hedwig in der bayerischen Residenzstadt Landshut praktisch alles traf, was im Deutschen Reich Rang und Namen hatte, war die große Zeit der schwerbewaffneten Ritter und gepanzerten Reiter längst vorbei. Die Entwicklung der Feuerwaffen und spektakuläre Niederlagen von Ritterheeren gegen Infanterie- und Bogenschützen-Einheiten stellten die militärische Notwendigkeit und den elitären Führungsanspruch der Ritter grundsätzlich in Frage. Die Ritterturniere, die während der Landshuter Hochzeit 1475 mitten in der Altstadt stattfanden, dienten in erster Linie der Selbstdarstellung der privilegierten, aber schon verunsicherten Adelsschicht - und sie waren Spitzensport-Ereignisse ersten Ranges.
Die Altstadt war eine geradezu ideale Rennbahn für die durchtrainierten Waffenreiter, die im Galopp und in vollem Harnisch aufeinander zurasten. In der ersten Reihe saßen bei den Zuschauern dabei die Besitzer der Altstadthäuser und die Gäste, die bei ihnen untergebracht waren: Solche Fensterplätze sind ja auch heute bei den Aufführungen der Landshuter Hochzeit hoch begehrt. Die einfachen Bürger fanden Stehplätze im breiten Straßenraum. Fast an jedem Tag der siebentägigen Feiern fand ein "Rennen über die Planken" statt, wie die Turniere wegen der Balken in der Mitte des Turnierplatzes genannt wurden, durch die ein Frontalzusammenstoß der Pferde verhindert wurde. Es galt, den gegnerischen Ritter mit der Turnierlanze so zu treffen, dass er aus dem Sattel geschleudert wurde. Viele Elemente moderner Sport-Großereignisse finden sich in den Turnieren von 1475: So gab es umjubelte Stars wie den Münchner Herzog Christoph, einen vielfachen Turniersieger, der acht Pferde ("Stech-Rosse") für das Turnier nach Landshut mitgebracht hatte. Es ging um hohe Siegprämien: Ein polnischer Ritter schlug zum Beispiel Herzog Christoph vor, um ein Schmuckstück im Wert von 100 Gulden zu streiten. Für einen rheinischen Goldgulden bekam man seinerzeit einen Goldring. Zu diesem Wettkampf kam es aber nicht: Bei der gegenseitigen Überprüfung der Ausrüstung entzündete sich ein Streit an der Frage, ob sich der polnische Ritter einen unerlaubten Vorteil dadurch verschaftt hatte, dass er unter dem Sattel ein breites Lederstück eingelegt hatte.

Turnierszene. Holzschnitt um 1475
Turnierszene. Holzschnitt um 1475
Turnier aus dem "Weißkunig" (Lebensgeschichte Kaiser Maximilians). Holzschnitt vor 1515
Turnier aus dem "Weißkunig" (Lebensgeschichte Kaiser Maximilians). Holzschnitt vor 1515

Landshuts ältester Verein ist ein Sportverein: Königlich priviligierte Feuerschützengesellschaft

Festscheibe FSG Landshut zum 500 -jährigen Bestehen 1925
Festscheibe FSG Landshut zum 500 -jährigen Bestehen 1925

Was dem Adel seine Ritterturniere waren, das waren für das aufstrebende Bürgertum die großen Schützenfeste, die Schießwettbewerbe, für die gute Schützen oft weite Reisen unternahmen. Für Landshut ist dies durch die Überlieferung des ältesten Vereins der Stadt vielfach bezeugt: Die Königlich-privilegierte Feuerschützengesellschaft 1425 Landshut hat bereits im späten Mittelalter zahlreiche Schießwettbewerbe ausgerichtet. Die Ursprünge des Schießsports legen noch einmal die eingangs erwähnte militärische Wurzel des heutigen Sportbetriebs offen: Bereits für das Jahr 1246 lässt sich für Landshut die Existenz einer Schützengilde feststellen.
Solchen Gilden gehörten die wohlsituierten Bürger einer Stadt an; vor der Erfindung der Feuerwaffen führten sie die Armbrust, eine gefährliche und gefürchtete Waffe. Der erfolgreiche Umgang mit Armbrust und Feuerbüchsen erforderte Geschick und viel Übung. So mussten die Schießkünste immer wieder geübt und verbessert werden. Im Mittelalter geschah dies in den Gräben vor den Stadtmauern - der Begriff Schützengraben hat hier seinen Ursprung. Wie erfolgreich die Landshuter Schützen ihr Training absolviert hatten, macht ein berühmtes Ereignis aus dem Jahr 1313 deutlich, als aus dem "Schießsport" wieder einmal blutiger Ernst geworden war. In der Schlacht bei Gammelsdorf in der Hallertau erkämpfte das schlagkräftige Aufgebot der Landshuter Bürger, unter ihnen viele Schützen, den Sieg für den bayerischen Herzog und späteren Kaiser Ludwig den Bayern. Im 15. Jh. war der Siegeszug der Feuerbüchse über die Armbrust nicht mehr aufzuhalten. In einigen Städten spalteten sich Vereine an der Frage der Waffenwahl, in Landshut setzten die Schützen mit überwältigender Mehrheit auf die Feuerwaffen, denen die Zukunft gehörte.

Landshuter Feuerschützen richten größtes Büchsenschießen des Spätmittelalters aus

Im Jahr 1462 bestanden die Landshuter Büchsenschützen im Heer ihres Herzogs Ludwigs des Reichen buchstäblich ihre Feuertaufe: Bei Giengen (Württemberg) hatten sie bei einem der vielen innerdeutschen Kriege jener Epoche mit ihrer Feuerkraft eine Schlacht entschieden. In friedlicheren Zeiten unternahmen die Landshuter Feuerschützen für damalige Zeiten weite Reisen zu diversen Schießwettbewerben: Im Frühjahr 1475 etwa fuhren sie gemeinsam mit den Schützenkameraden der Münchner Hauptschützengesellschaft per Floß nach Wien zu einem großen Schützenfest.

Aus dem 15. Jh. sind Schützenfeste bekannt, an denen mehrere hundert Schützen teilnahmen - der Herzogsstadt Landshut blieb es vorbehalten, Austragungsort des größten schießsportlichen Ereignisses dieser Epoche zu sein. Im JuniIJuli 1493 fand in Landshut das größte Büchsenschießen des ausgehenden Mittelalters statt: 1218 Büchsenschützen und 112 Armbrustschützen nahmen daran teil. Und es war auch das höchstdotierte Schießen jener Zeit. Die bei dem Schießen ausgelobten Höchstgewinne von 110 Gulden stellten ein kleines Vermögen dar. Die Büchsenschützen feuerten dabei 27000 Kugeln ab. Geschossen wurde auf eine Distanz von rund 206 Metern (500 halbe Landshuter Ellen), die Zielscheiben hatten einen Durchmesser von knapp 1,65 Metern - man trug damit der Streubreite der damaligen Feuerbüchsen Rechnung. Austragungsort des Großturniers war übrigens der Schießplatz vor den Stadtmauern unterhalb des Hofbergs, rund um den heutigen Marienplatz.

Schützenkönige kamen im Mittelalter in den Genuss von Privilegien, bei denen ihre Nachfolger von heute nur feuchte Augen bekommen können. Sie waren ein Jahr lang von allen Steuern befreit, sie mussten ein Jahr lang keine Wach- und sonstigen Dienste leisten, die Stadtbürgern auferlegt waren, sie durften steuerfrei ihr eigenes Bier brauen und hatten das Recht, ein Schwein auf städtischem Grund zu mästen. Solche Privilegien spiegeln die Wertschätzung für die Schützen wider, deren Können im Zeitalter der Feuerwaffen ausgesprochen gefragt war. Die hohen Prämien, die auf Schützenfesten zu erringen waren, machen wiederum deutlich, dass das wohlhabende Bürgertum begann, den Adel als entscheidende gesellschaftliche Schicht abzulösen - die Geschichte des Schießsports erhält damit eine historische Dimension von kaum zu überschätzender Tragweite.

Landshuter Schießplatz bei Loretto. Auf dem Plan aus dem Jahr 1615 ist die Anlage noch mit ihren spätgotischen Zinnengiebeln dargestellt. Im Vordergrund links ist das 1862 abgebrochene Hagrainertor zu sehen (A Haber Thor) und die hölzerne Brücke, die über den damals noch wassergefüllten Stadtgraben führte, der im Zuge der vierten Erweiterung der Stadt, der Gründung der Freyung von 1338, ausgehoben und 181 1 zugeschüttet wurde. Der Erweiterungsbau des Hans-Carossa-Gymnasiums liegt in der Aufschüttung des Stadtgrabens. Am Platz der Schießstatt wurde 1896 der kubische Bau der neuen Vinzentiusanstalt errichtet, deren Räume ebenfalls vom Hans-Carossa- Gymnasium genutzt werden.
Landshuter Schießplatz bei Loretto 1615

Das Landshuter Ringerbuch: Sporthandbuch und bibliophile Rarität

Der gesellschaftliche und auch geistige Wandel - es begann die große Zeit des Humanismus - am Ende des Mittelalters und in der frühen Neuzeit drückte sich auch in der Einstellung zu Leibesübungen aus. Die Rückbesinnung auf die Antike, die ja eine ganz große Epoche des Sports war, brachte vor allem im Bereich der Pädagogik die Forderung und Förderung der sportlichen Fähigkeiten junger Menschen mit sich. Nicht so die "Wehrertüchtigung" stand dabei im Vordergrund, sondern das Streben nach dem antiken Ideal des "gesunden Geistes in einem gesunden Körper".

In dem damals bedeutenden Verlagshaus des Seidenstickers Hans Wurm entstand ein herausragendes Werk der Sportgeschichte: "das Landshuter Ringerbuch" aus dem Jahr 1500. Es zeigt auf 22 Farbseiten Darstellungen von Ringerpaaren. Alle Seiten enthalten zudem einige Zeilen Text, mit dem die dargestellte Kampfhaltung der ringenden Männer kommentiert wird. Die Begleittexte bringen stets eine Anweisung an einen der Ringer, wie er einer bestimmten Kampfstellung des Gegners begegnen soll. Dann folgt meist der Name des beschriebenen Abwehrgriffs. Die Zusammenfassung von Kampfkunstregeln hieß in der Fechtersprache "Zettel". Die Texte des Landshuter Ringerbuchs waren solche "Zettel", das ganze Werk ein Sporthandbuch für eine bis heute beliebte Disziplin.

Wen er sich ganntz aufricht und hindersich strebt -So du yn - in dem hacken hast - So nym das stuck - das haist der schragn
Wen er sich ganntz aufricht und hindersich strebt -So du yn - in dem hacken hast - So nym das stuck - das haist der schragn

Turner für ein "einig Vaterland"

Turner zu sein, bedeutete im 19.Jahrhundert nicht allein schwierige Übungen zu beherrschen, sondern auch, sich als Bürger für politische und gesellschaftliche Ziele einzusetzen. Der Adel war die politische führende Schicht. Die vorwiegend bürgerlichen Turner lebten dagegen für die Idee eines einigen deutschen Vaterlandes. Die jungen Männer sollten durch das Turnen körperlich stark werden und militärisch wie ideell zur Verwirklichung dieses Zieles beitragen. Damit waren die Turner neben den Burschenschaften, Sängern und Schützen eine wichtige Säule der deutschen Nationalbewegung.

Deutsche Turnfestsieger 1921 in Leipzig. Robert Poller und Fritz Stamm Turngemeinde Landshut
Deutsche Turnfestsieger 1921 in Leipzig. Robert Poller und Fritz Stamm Turngemeinde Landshut

Ziel des Turnunterrichts:

Auszug aus dem Merkbüchlein - Turnen von Ludwig Puritz 1879

Erhaltung und Stärkung der leiblichen Gesundheit, allseitige Ausbildung des Körpers und Förderung einer harmonischen Entwicklung, geistige Lebendigkeit, Schönheit und Präzision bei allen Bewegungen, Entschlossenheit, Mut, Gewandheit, Kraft und Ausdauer, Gewöhnung an Unterordnung und Einfügung in ein Ganzes.

Ehrengabe des 1. Vorsitzenden Franz Mayrshofer 1897 - 1903 Turn-Verein Landshut
Ehrengabe des 1. Vorsitzenden Franz Mayrshofer (1897 - 1903) Turn-Verein Landshut

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